A Useful Ghost
Wer auch immer Ratchapoom Boonbunchachoke ist, er gesellt sich mit seinem Spielfilmdebüt (!!) direkt in vorderster Reihe der interessantesten Regisseure des Gegenwartskinos ein. Ein wilder Ritt lässt jeden Filmliebhaber durch alle erdenklichen Genres gleiten, getragen von exzellent orchestrierten Bildern, an denen man sich niemals sattsehen kann.
Wer hätte gedacht, dass eine komödiantische Geistergeschichte aus Thailand das Prinzip des modernen Klassenkampfes so anschaulich gestaltet wie es kaum einem anderen Film je gelungen ist. Parasite dankt nach diesem Film ab, wir haben einen neuen König unter den anti-kapitalistischen Filmen aus Asien. Die Revolution bricht unter den Untoten aus, deren Seelen zu Lebzeiten so gequält wurden, dass sie nun erst recht gegen die Obrigkeiten rebellieren, bevor sie für immer vergessen bleiben.
Funktioniert so nicht auch das Kino? Die Figuren, die wir auf der Leinwand bestaunen, können die menschliche Lebensdauer überschreiten. Sie sterben mit dem Abspann des Films, doch stehen wieder von den Toten auf, wenn der Film von vorn gespielt wird. Das Kino als Ort der Unendlichkeit. Aber auch als Ort der Träume: Nat kehrt in den Träumen Marchs zurück, weil er sie nicht vergessen kann. Was sagt es über uns aus, wenn uns gewisse Filmszenen wieder und wieder in den Sinn kommen? Träumen wir dann in der Gegenwart oder vermischt sich in der Traumwelt Fiktion mit Realität?
Hört man auf, an die Verstorbenen zu denken, so verblasst auch deren Geist. Das Kunst-Kino muss überleben, sonst verblassen Meisterwerke wie A Useful Ghost im Licht der untergehenden Sonne Thailands.
#boonbunchachoke#kino#kurzanalyse