Parthenope
Der Vorwurf, Parthenope sei lediglich Bildschirmschoner-Kino für Altherren, ist völlig idiotisch und grenzt an Kunstfeindlichkeit. Sorrentino agiert clever, indem er diesen Vorwurf in den Film selbst integriert und ihn der Lächerlichkeit vorführt.
Auch wenn der Anfang des Films es so wirken lässt, reproduziert er keineswegs den männlichen Blick. Parthenope entzieht sich als handelndes Subjekt ihrer Objektifizierung; sie steht über all denen, die sie begaffen. Auch die Kameraeinstellungen tragen dazu bei, dass wir Parthenope nicht einfach nur als schöne Frau wahrnehmen, sondern als Lebenskraft in einer verlogenen neapolitanischen Gesellschaft. Parthenope dient im gesamten Film als Metapher für die Stadt Neapel, aber auch als Metapher für die Sehnsucht des Menschen nach Antworten, für die Selbstfindung in einer chaotischen Welt, für die Vergänglichkeit der Schönheit.
Sorrentino gelingt es, das Naturphänomen der männlichen Begierde zu dekonstruieren. So werden ein Mann und eine Frau gezwungen, vor den Augen dutzender Gaffer Sex zu haben, nur weil zwei Mafiabosse ihren Streit schlichten wollen. Oder wenn der Vater sich von seiner Tochter Parthenope wünscht, dass sie ein Kind bekommt, damit er nach dem Schicksalsschlag nicht weiter in der Leere gefangen bleibt. Der Selbsterhaltungstrieb wird von seiner hässlichsten Seite gezeigt. Davon bleibt auch die katholische Kirche nicht verschont: Ausgerechnet sie ist der Ort, wo die Handlung ihren (sexuellen) Klimax erreicht. Dabei greift der Film uns immer wieder an, denn mit seiner zögerlichen Verhaltensweise in dezenten Spannungsmomenten wird bei uns eine lüsterne Erwartungshaltung entfacht, die dann wiederum durch die abbrechende Handlung in sich zusammenfällt. Somit lehrt uns Parthenope, dass unser Sehen nie ganz frei ist von dem, was wir bereits gesehen haben und was wir sehen wollen.
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