The Swarm
Review der Folgen 1 bis 8 / der ganzen Staffel
Aus dem Meer scheint plötzlich eine unerklärliche Bedrohung auszugehen, die nach und nach immer mehr Menschenleben fordert.
Frank Schätzing hat 2004 mit Der Schwarm einen Öko Thriller geschrieben, zu dem im gleichen Jahr ein großartiges Hörspiel erschien, bei dem Schätzing selbst auch beteiligt war. Knapp 20 Jahre später kommt nun eine internationale Verfilmung unter Leitung des ZDF mit einem Budget von knapp 40 Millionen Euro.
Folgen 1 - 3
In den ersten drei Folgen werden viele Figuren vorgestellt und die Bedrohung aus dem Meer durch Walangriffe, Quallenschwärme und verseuchte Schalentiere beginnt.
Der Cast gefällt mir richtig gut, auch wenn die Dialoge zum Teil ziemlich platt sind. Alexander Karim als Sigur Johanson und Joshua Odjick als Leon Anawak funktionieren genauso gut, wie Krista Kosonen als Tina Lund und Rosabell Laurenti Sellers als Alicia Delaware. Während die in der Vorlage zentrale Figur Karen Weaver zu fehlen scheint, gibt es mit der jungen Doktorandin Charlie Wagner (Leonie Benesch) und der Molekularbiologin Cécile Roche (Cécile de France) zwei neue Figuren, die beide gut funktionieren.
Während in einigen Moment richtig Spannung aufkommt, wenn zum Beispiel die Doktorandin Charlie eine Signalbarke aus dem Wasser holen muss, gibt es dann wieder wirklich dilettantisch inszenierte Momente mit desaströsem CGI, wie ein Walangriff auf einem Boot voller Tourist:innen.
Für mich war Der Schwarm als Hörspiel ein relativ nüchtern erzählter Thriller, der zwar Mystery Elemente enthält, die aber nie überhand nehmen. Die Serie fühlt sich in den ersten drei Folgen durchgehend, wie ein Mystery Thriller an und das passt für mich nicht zum realistischen Ton der Vorlage. Da ergibt es auch Sinn, dass sich Schätzing aus der Produktion zurück gezogen hat und öffentlich von der Verfilmung distanziert hat.
Fazit nach drei Folgen:
Durchwachsene Verfilmung mit guten Ansätzen aber vielen Problemen, die bis jetzt an der Vorlage scheitert. Trotzdem werde ich weiterschauen.
Folgen 4 - 6
Ich war nach den ersten drei Folgen insofern positiv überrascht, dass es für mich kein totales Desaster war. Trotz vieler Kritikpunkte gab es Momente, die Spannung erzeugt haben. Die nächsten drei Folgen haben nun genau das geliefert, was ich befürchtet habe.
Dem Cast werden grauenhafte Dialoge in den Mund gelegt. Plötzlich verhalten sich einige Figuren unglaublich dämlich! So verzweifelt, wie der Charakter von Barbara Sukowa immer wieder schaut, hab ich mich gefühlt!
In den drei Folgen passiert auch viel zu wenig. Stattdessen gibt es unzählige ätzend kitschige Momente zwischen den Figuren, die die Handlung kein Stück weiter bringen. Wenn sich eine vierte oder fünfte Folge einer acht teiligen Serie, wie Exposition anfühlt, dann läuft was falsch! Ich hab überhaupt kein Problem damit, wenn Adaptionen Dinge aus der Vorlage ändern. Im Gegenteil! Das ist häufig notwendig und kann auch gelingen. Leider wirkt es auf mich so, als hätte die Crew der Verfilmung die Vorlage nicht verstanden! Jetzt verstehe ich, wieso sich Frank Schätzing aus der Produktion zurück gezogen hat.
Obendrauf kommt eine Inszenierung, die für mich zu keinem Zeitpunkt funktioniert. Die vermeintlich emotionalen Momente enden in Kitsch und die Kamera weiß überhaupt nicht mehr, was sie tun soll. Also wird einfach möglichst nah auf das Gesicht der Schauspieler:innen gehalten. Dann kommt ein zentrales Ereignis aus der Vorlage. Die Katastrophe ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Katastrophe! Die Effekte sind richtig mies und Spannung kommt zu keiner Sekunde auf. Ich frage mich wirklich, wo die 40 Millionen Budget gelandet sind!
Fazit nach sechs Folgen:
Jegliche Hoffnung wurde zerstört. Die letzten Folgen werde ich mir der Vollständigkeit halber ansehen aber ich ahne schlimmes!
Folgen 7 - 8
Nachdem mich die vorherigen Folgen do dermaßen enttäuscht hatten, kostete es mich einiges an Überwindung mir die letzten beiden Folgen und damit das Finale doch noch anzuschauen. Es hätte schlimmer sein können aber gelungen sieht meiner Meinung nach anders aus.
Viel zu ergänzen gibt es eigentlich nicht. Die Schauspieler:innen machen weiterhin routiniert ihren Job mit den zum Teil sehr begrenzten Rollen, die Optik schwankt qualitativ und das Potential der Vorlage wird auch in den letzten zwei Folgen weitgehend liegen gelassen.
Zumindest sind die beiden Folgen solide gefilmt und das Tempo zieht deutlich an. Leider wirkt das Finale deswegen aber viel zu gehetzt. Wo sich die Serie an einigen Stellen viel zu viel Zeit gelassen hat, ist das Finale überhastet. Die ganze Szenerie wirkt leider viel zu klein und belanglos. Es findet ein Kampf um die menschliche Existenz statt und davon hab zumindest ich viel zu wenig gespürt.
Finales Fazit:
Für mich ein gescheitertes Experiment. Hört euch lieber das großartige Hörspiel an. Dort war Frank Schätzing involviert, es bietet mit unter anderem Manfred Zapatka, Mechthild Großmann und Joachim Kerzel einige fantastische Sprecher:innen und wurde wirklich packend umgesetzt!