Ran
"In einer wahnsinnigen Welt, sind nur die Wahnsinnigen gesund."
Akira Kurosawa zeigt mit Ran wie man mit Farben als Werkzeug seinen Film zu ein renommiertes Kunststück verwandeln kann. Ich habe glaube ich noch nie in meinem Leben solche Bilder in einem Spielfilm gesehen, ich konnte fast dauerhaft pausieren und hätte jedes mal ein Gemälde rausbekommen. Wäre Akira Kurosawa paar hunderte Jahre früher auf die Welt, wäre er vermutlich ein Künstler, dessen Vergleich mit jeden anderen zu seiner Zeit pure Blasphemie wäre. Heute ist er genau das auch, nur als Regisseur. Was ich vor allem sehr wert schätze ist, dass uns die Zeit gegeben wird die Shots einzuatmen. Viele sind oft von der Laufzeit von Kurosawas Filmen eingeschüchtert, aber seine Filme sind nicht in die Länge gezogen, oder verpackt mit überflüssigen Informationen oder "Humor". Die Länge der Filme kommt daher, dass wir die Bilder einatmen sollen, die Geschichte, die Gefühle, die Bedeutungen der Charaktere verstehen sollen. Die Farben sind nicht einfach da um den Zuschauer einen Dopamin Ausschuss zu geben, sie sind da um die Kontraste der einzelnen Charaktere darzustellen, die Dynamiken und die Juxtaposition der Brüder. Und es ist absolut keine Übertreibung, wenn ich sage dass die Burg Übernahme vermutlich die bedeutungsvollste und, schlichtweg gesagt, beste Action Szene ist die ich je erlebt habe. Du fühlst den Blutverlust der Charaktere förmlich. Ich mag es nicht Vergleiche zu ziehen, aber wenn man es mit Tarantino vergleicht, bei dem Blutverlust einfach nur als Sensationalismus funktioniert, um den Zuschauer das Gefühl von Brutalität zu geben, fühlst du bei Ran die Tragödie und den Verlust einer Hierarchie.
Wenn wir gerade bei dem Thema sind, ich find es mehr als gelungen wie der Fürst Hidetora als Allegorie für Ozymandias (temporäre Macht) verwendet wird. Fürst Hidetora ist arrogant, sein Vermächtnis ist nämlich eines, welches er auf Blut aufgebaut hat und durch die Eroberungen und Vernichtungen von jeglicher Burg, die seine Machenschaften in den Weg standen. Er verteilt daraufhin die Macht, wie er es für richtig hält, findet jedoch früh heraus, dass er von seinem ersten Sohn, Tori, verraten wird, und somit endet seine Macht. Nur damit Tori, ebenfalls durch Begierde von Macht, von seinem Bruder, Jori, verraten wird. Am Ende verliert auch er seine Position, diesmal durch Lady Kaede, die einst ihre Familie verlor, durch die Eroberung und Hierachie von Fürst Hidetora. Der letzte Shot zeigt wie blind wir Menschen in den Abgrund laufen, durch unser Streben nach etwas Höherem, unserer falschen Annahme, dass wir dazu destiniert sind Großes zu erreichen, bis wir die Gleichgültigkeit des Universums zu spüren kriegen, und unser Vermächtnis vergessen oder verspottet wird. Genau so ging es einst den Pharao, biblisch bekannt als Ozymandias, der von seiner ewigen Herrschaft überzeugen wollte, doch am Ende auch er ein demütigendes Ende finden musste. Und ich muss gestehen, ich bin einfach ein Sucker für dieses Konzept, und es ist, seit dem ich damals Watchmen gelesen habe und ich fasziniert war vom Character Ozymandias, einfach in meinen Gedanken geblieben.
Ran ist ein absolutes Meisterwerk, und ich bezweifle, dass ich jemals so einen Film wieder gucken darf.