
Es ist doch irgendwie interessant und ebenso frustrierend, dass es menschlich ureigen erscheint, dass sich immer erst etwas rigoros Schwerwiegendes ereignen muss, damit man wirklich allumfassend begreift, was man wie bzw. gegenüber jemandem empfindet, so, im endgültigsten Fall, das Ableben des- oder derjenigen, für den oder die diese Gedanken schließlich bestimmt sind. Das bleibt in vielen Fällen eine beschämend unangenehme Wahrheit inmitten des engeren sozialen Umfelds; bemerkenswert ist daher, dass man dies auch jemandem gegenüber bedauern kann, den man niemals kennengelernt hat, zumindest nicht persönlich oder gar erschöpfend, sondern lediglich in Form eines zugänglichen Auftritts, so z. B. auch in der Darstellung einer Kunstfigur. Sam Neills *Alan Grant*, so kann man es formulieren, denn wie und ob eine Figur bei einem selbst anzuknüpfen vermag, hat unumgänglich immer auch damit zu tun, wie diese dargestellt worden ist, hat als Hauptdarsteller des Filmes, welcher bis heute und, daran habe ich keinen Zweifel, bis zu meiner Endlichkeit einen so persönlichen Fußabdruck hinterlassen und meine Liebe zum Medium Film als solchem nahezu unvergleichbar geprägt hat, in der Logik dieser Tatsache obliegend, einen keinesfalls geringen Anteil an eben jener privatimen Gefühlslage dem Gesamtwerk gegenüber. Ganz im Gegenteil. Der Gravitas dieses Abdruckes, die, wie ich anzuklingen versuche, auch in großen Teilen einem Darsteller zu verdanken ist, kann natürlich kein in Form von Zeilen abgesetzter Gedanke gerecht werden, noch vermag es das erneute Ansehen des Filmes, dem der möglicherweise primitiv törichte Gedanke zugrunde liegen mag, auf diese Weise eine Art Respekt zu zollen oder einen gedanklichen Nachruf zu vollführen. Vielleicht dient es aber doch als minimaler Teil eines Ganzen, als ein kleiner Teil jenes Gefüges kleiner Nachrufe, welches letztendlich auch einen weiteren Aspekt der Magie des Mediums des bewegten Bildes offenbart, nämlich die Tatsache, dass man als Schauspieler, den man spätestens ab dem Punkt dieser Endgültigkeit nicht mehr vollständig von der dargestellten Figur zu trennen vermag, durch die Aufnahme auf Zelluloid in den Herzen und Köpfen von Millionen von Menschen zu überdauern vermag, was dann wiederum in gewisser Weise selbst der Endgültigkeit einen Teil ihrer Unwiderruflichkeit beraubt. In der Bereitschaft der Zuschauer, jene Bilder immer wieder aufleben zu lassen, durch die ein Mensch und seine Kunst über die eigene Lebenszeit hinaus bewahrt werden, ist dann womöglich doch eine in Teilen angemessene Form der Würdigung zu erkennen. Ruhe in Frieden, Sam Neill. Danke.

Coppola Umschnitt (2020)

Vieles an *Episode III *ist todtraurig und zutiefst tragisch; allein rein handlungstechnisch sowie aufführungsästhetisch steht dieses Motion-Picture für mich ohne jede Relativierung als die fulminanteste, beeindruckendste und epochal wirkungsmächtigste Tragödie, die je auf die große Leinwand projiziert worden ist. Umso todtrauriger ist es, dass sich mit jeder erneuten Sichtung, insbesondere der Trilogieabschlüsse, *Die Rache der Sith *und *Die Rückkehr der Jedi-Ritter, *meine Missachtung gegenüber dem, was man seit 2015 als *Star Wars*** **darzureichen** **versucht, weiter verhärtet. Was einst als monumentale, in sich geschlossene Erzählung die Lichtspielhäuser erfüllte, ist weithin zu einer ästhetisch sterilisierten, geistig entleerten und jeder künstlerischen Kühnheit beraubten Konfektionsware herabgesunken, hervorgebracht nicht aus schöpferischer Notwendigkeit, sondern aus der nüchternen Berechnung permanenter Verwertbarkeit; beginnend schon und im Besonderen mit *Das Erwachen der Macht *(unmittelbar nach dem Verkauf, sei angemerkt), einer Perversion im eigentlichen Sinne, einer Anmaßung, die sich des Namens *Star Wars *bedient, ihn jedoch seiner innersten Substanz entleert und in daher in Wahrheit nicht tragen dürfte. All jene, die öffentlich bekundeten, das Herzorgan dieser Saga bewahren zu wollen, sich auf Tradition beriefen und stattdessen Revision betrieben, haben nicht nur tragisch versagt, sondern sich schändlich über die Essenz der Saga erhoben und letztlich aktiv an der bereits erwähnten völligen Entleerung mitgewirkt (diesen Weg hat man nunmehr so beharrlich bestritten, dass wir nun an einem Punkt angelangt sind, an dem ernsthaft verlangt wird, dass man sich doch über *The Mandalorian and Grogu* als nächsten großen Kinofilm unter dem Namen *Star Wars *freue). Der Niedergang dieser einst epochal bedeutenden Saga, weitestgehend korrumpiert von visionslosen Epigonen, wird wohl zukünftig selbst als große Tragödie der Kinogeschichte in Erinnerung bleiben.

*“There’s always **Scorsese**. No matter how good you think you are, there’s always fuckin’ Scorsese.”*