Adolescence
Das Wort „Gleichgültigkeit“ fasst wohl am besten meinen Gemütszustand am Ende dieser Miniserie zusammen.
Der Hype unterstellt ADOLESCENCE eine virtuose Genialität in Storytelling und Kamera - aber warum eigentlich?
Die Story an sich ist weder besonders interessant, noch unkonventionell. Da geht es um einen Jungen, der aus seinem eigenen Inceltum heraus ein junges Mädchen ersticht. Die Serie fokussiert sich erst auf das Motiv hinter der Tat, bevor sie danach die Auswirkungen des Mordes auf die Familie des Jungen beleuchtet.
Das alles ist zwar gut gespielt, aber nicht immer gut geschrieben. Anstatt wirklich radikal auf das Thema des Inceltums einzugehen, wird es vielmehr nur gestreift, um küchenpsychologisch das Motiv des Jungen zu erklären. Einzig die dritte Folge schafft es wirklich im Dialog zwischen Täter und Psychologin ein Quantum an Interesse für die Thematik zu generieren.
Dann bleibt jedoch die Frage, was Episode zwei und vier für eine Rechtfertigung haben. In der zweiten Folge kommt buchstäblich nichts Neues zur Handlung hinzu, wodurch sich diese Folge auch am längsten zieht. Und die vierte Folge, in der das nunmehr zerrüttete Familienverhältnis des Jungen beleuchtet wird, ist auch eher platt, da die Figuren so dünn geschrieben sind, dass niemals eine Möglichkeit zur Identifikation oder Reflexion geboten wird. Selbst das Ende, in dem Stephen Graham noch einmal mit einem großen Tränenmeer aufspielt, hat mich leider kalt gelassen.
Und dann noch dieser unsägliche One-Shot, der einfach eine furchtbare Marotte ist. Natürlich ist das immer technisch und handwerklich beeindruckend - aber für die Handlung an sich bringt das gar nichts. Ich kann mich dadurch weder besser in die platten Figuren einfühlen, noch irgendeinen perspektivischen Mehrwert gewinnen. So bleibt der One-Shot lediglich ein technischer Firlefanz, der einige Szenen dadurch interessanter machen soll, dass man sich fragt, wie gewisse Kamerafahrten wohl praktisch bewerkstelligt werden konnten, ohne zum Schnitt zu greifen.
Das alles klingt jetzt härter, als es soll, denn ADOLESCENCE unterhält immerhin als Miniserie. Aber sie ist weder genial, noch handwerklich unkonventionell oder gar wegweisend.