Fighter
Top Gun: Maverick (2022) ist einer der besten Filme aller Zeiten. Eine klischeehaftere Handlung ist fast nicht möglich, aber genau das ist seine Stärke: Denn Maverick ist ein Film zum Abschalten und Genießen. Jeder einzelne Frame ist eine Augenweide, die Actionsequenzen sind einige der besten aller Zeiten und man merkt, dass eine Menge Liebe in ihm steckt; Liebe zur Luftfahrt, Liebe zum Vorgänger, Liebe zum Kino und vor allem Liebe zum Filmemachen. Dabei schwingt natürlich auch Liebe zum US-Militär und "Männlichkeit" dazu, wäre dem nicht so, wäre es aber auch nicht Top Gun. So überzogen wie er ist, spürt man schon fast eine Art Selbstironie beim Schauen. Der "Feind", Politik, die Hintergründe zur Mission und ein Realitätsanspruch sind zweitrangig, viel mehr wird ein möglichst spektakuläres Filmerlebnis für alle Zuschauenden geboten. Für das, was er ist, ist der Film perfekt.
Nach Top Gun: Maverick kommt nun mit dem indischen FIGHTER der nächste Kampfjet-Blockbuster ins Kino. Das Rezept sollte eigentlich auf der Hand liegen: Man nehme Top Gun und bollywoodisiere ihn: also noch krassere Actionsequenzen, noch mehr Patriotismus, noch mehr Sixpacks und eine Menge famoser Tanzeinlagen. Daran hält sich FIGHTER weitestgehend; die Action ist einfallsreich, der Körper von Hrithik Roshan unfassbar muskulös, Deepika Padukone spielt ihre Rolle sehr gut, die Songs sind einprägsam und die Tänze faszinierend smooth. Aber überraschenderweise probiert er auch etwas Neues: die Einführung von Bösewichten und eine Scheinauthentizität.
Denn der Film spielt in der Zeit des Pulwama Angriff, dem folgenden Balakot Luftangriff und dem Grenzscharmützel zwischen Indien und Pakistan 2019. Die Akteure haben echte Vorbilder, es wird eine sehr einfältige und übertriebene indische Perspektive gezeigt.
Laut FIGHTER unterstützt Pakistan aktiv den Terrorismus und lässt sich von ihm beeinflussen. Pakistan hat hier keinerlei nachvollziehbare Intentionen, alle Gegenspieler sind karikaturistisch böse. Politisch kann man davon halten, was man will, in einem solchen Blockbuster hat davon aber nichts verloren. Man stelle sich mal vor, Top Gun würde im Irak spielen.
In seinem Patriotismus ist Top Gun also um einiges subtiler und effizienter als FIGHTER. In Maverick spürt man als Zuschauer Liebe, in FIGHTER Hass. Besonders das Ende von FIGHTER ist in all seiner Gewalt und Entmenschlichung schwer anzusehen, der Ausblick des Protagonisten auf ein I.O.P. (India Occupied Pakistan) ist heftig und beunruhigend.
Leider sieht man dem Film zudem beim genauen Hinsehen seine Computergrafiken an, die Soundeffekte sind auch nicht ganz so gut wie in Top Gun: Maverick. Natürlich ist der Vergleich mit einem solchen Meisterwerk etwas unfair, dennoch hätte man sich von FIGHTER mehr erhoffen können. Denn ohne mulmigen Beigeschmack kann man mit ihm keinen spaßigen Bollywoodabend feiern.
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