

Ich mag es, wenn Filme in einer großen, kulminierenden, unwahrscheinlich perfekten Bühnenshow enden. Sei es nun *Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit* oder der genrenähere *Blues Brothers*, die Spannung, die aufgebaut wird, wenn diese chaotischen Charaktere in einer formellen Szenerie Leistung zeigen müssen und wie sie sich entlädt, wenn es dann nicht nur wider Erwarten klappt, sondern gleich auch zur besten Show aller Zeiten wird, reißt mich immer wieder mit. Es brauchte ehrlicherweise eine Zeit, sich in die unvorhersehbare Handlung einzufinden, aber spätestens ab der Mitte bzw. ab der Wildschwein-Szene habe ich den Swing gespürt. Ich verstehe absolut, wenn man in *Swing Girls* die gleiche Art Wohlfühlfilm findet, wie in dem eben schon erwähnten *Blues Brothers*, denn der Spaß an Musik und ganz allgemein die Freude an einer erfüllenden Leidenschaft, die einen mit Menschen zusammenkommen lässt, überträgt sich ungehindert von den Charakteren an den Zuschauer. Ich kann's kaum erwarten, den Film nochmal zu sehen (dann aber hoffentlich in besserer Qualität!) und dieses Gefühl turbulenter Lebensfreude auch in den ersten Szenen wahrzunehmen.

Ich finde kaum die richtigen Worte. *Night in the Galactic Railroad* nur auf seine melancholische Atmosphäre zu reduzieren, würde seinen eigentlichen Reichtum verkennen, aber mein Gott! Der ganze traumartige Vibe in diesem Film, die gedämpfte Farbgestaltung, die hypnotische Erzählweise aber auch ein ganz offenes Gefühl der Zerbrechlichkeit. Alles, was der Hauptfigur widerfährt, ist kraftvoll symbolisch aufgeladen und bleibt doch stets eng mit ihrer innersten Gefühlswelt verbunden. Dadurch hat man das Gefühl, durch diese Reise direkt unter die Oberfläche ihres Geistes zu gelangen, in einen beinahe schutzlosen, verletzlichen Zustand. Es fühlt sich an, als würde man an einer offenen Stelle des Gehirns operieren bei der selbst ein kleiner Ausrutscher verheerende Konsequenzen hat. Das alles klingt aber dramatischer, als es tatsächlich ist. Der Film ist eher träge und kontemplativ, aber diese nächtliche, entrückte Atmosphäre ist schlichtweg einzigartig. Das ist auch der Grund, warum dieser Kinderfilm die meisten Kinder eher langweilen dürfte, aber für Erwachsene ist diese kindliche Auseinandersetzung mit Themen wie Leben und Tod, Einsamkeit und Freundschaft, Freude und Verlust einfach von einer ganz eigentümlichen Schönheit.

*They Shoot Horses, don't they?* ist eine nette Gesellschaftskritik, mir aber in seiner gesamten Inszenierung zu plakativ. Ich mag, das sich die Gesellschaftskritik nicht einfach nur als "Menschen sind grausam!" entpuppt. So als wäre es eine individuelle Entscheidung oder die Natur des Menschen. Das Problem entsteht nicht aus einzelnen schlechten Menschen, sondern aus ein System, das gewisse Verhaltensweisen belohnt: Die Tänzer wollen gewinnen, Rocky will sein Publikum unterhalten, die Zuschauer wollen unterhalten werden, die Sponsoren wollen ihre Firmen vermarkten. All diese nachvollziehbaren Motiven fügen sich dann aber irgendwie zu einem unmenschlichen Ganzen zusammen, ohne das es einen einzelnen großen Bösewicht braucht. Das ist eine interessante Perspektive, aber Sidney Pollack macht aus dem Gedanken ein großes Gleichnis. Natürlich ist der Tanzmarathon nicht einfach nur ein Tanzmarathon, er ist DAS LEBEN. Die Teilnehmer rennen sinnlos im Kreis, nur um nicht auszuscheiden, machen sich dabei kaputt und was sie dafür nachher bekommen ist nicht der Rede wert. Alles schreit hier: Seht ihr? Das ist eine Metapher für den Kapitalismus! Clever, nicht? Die schablonenhaften Figuren, die offensichtlichen Symbole (etwa der Mensch als erschöpftes Arbeitstier, das aussortiert wird, sobald es nicht mehr funktioniert, oder das ausgesperrte Sonnenlicht, das ihn von seiner Natur entfremdet und in einer künstlichen Welt gefangen hält), sowie das provokante Ende passen zwar gut in diese Lesart des Films, machen für mich aber noch keinen guten Film. Ich finde, *They Shoot Horses, Don't They?* ist ein Film, über den es interessanter ist nachzudenken, als ihn tatsächlich anzusehen.
