Materialists
Ich meine dieses Rating völlig ernst. Materialist hat mich, wie Past Lives schon, komplett mitgenommen. Ich habe zwar auch hier etwas weinen müssen, jedoch fand ich den Film insbesondere in Hinblick auf seine analytische Botschaft genial.
Materialist macht, was in der Weise nur gute Kriegsfilme tun: den Menschen nicht als Individuum zu sehen, sondern als Kapital. Im Mikrokosmos der Geschichte ist der Mensch eine Ware, die es zu (ver)kaufen gilt. Die Dialoge zwischen Lucy und ihren Klient:innen erfolgen wie Verkaufsgespräche. Wir befinden uns buchstäblich in einer Handelsbörse. Dabei zeigt der Film mit dem Finger nicht nur auf Frauen und nicht nur auf Männer, nicht bloß auf Arme oder Reiche (zumindest nicht auf individueller Ebene!). Beide Seiten denken rein ökonomisch, sowohl über sich selbst, als auch in Form von absurdesten Ansprüchen bei der Partnersuche. Am Ende sind alle Opfer von Ideologien, die sich im Laufe der Zeit seit des Kapitalismus verfestigt haben.
"Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualität bestimmt. Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen. Also bin ich nicht häßlich, denn die Wirkung der Häßlichkeit, ihre abschreckende Kraft ist durch das Geld vernichtet. Ich – meiner Individualität nach – bin lahm, aber das Geld verschafft mir 24 Füße; ich bin also nicht lahm."
- Karl Marx
#kino#amelie