Die Serie ist beeindruckend durchdacht und zeigt ein hohes Maß an Qualität. Dennoch sehe ich einige Aspekte, die kritisch hinterfragt werden sollten. Besonders die 5. Folge hat mich persönlich angesprochen und in Teilen widergespiegelt. Sie sticht heraus, da sie als einzige direkt auf praktizierende Muslime eingeht. Allerdings geschieht dies mit gewissen Unschärfen, die problematische Bilder erzeugen können.
Es wird in der Serie oft ein Bild vermittelt, das Muslime primär als eine homogene Bevölkerungsgruppe darstellt, anstatt sie in erster Linie als Anhänger einer Religion zu zeigen. Der Fokus auf äußerliche Merkmale führt dazu, dass Rassismus oft nur auf das Erscheinungsbild bezogen wird, obwohl die Realität weitaus komplexer ist. Dies verwischt die Grenzen zwischen Religion und Herkunft und verstärkt eine ohnehin häufig anzutreffende Gleichsetzung von „Muslim“ mit „nicht-europäisch“. Dabei gibt es zahlreiche Muslime, die aus Europa stammen, etwa aus Bosnien, wie eines der Opfer des Anschlags von Hanau. Diese Diversität bleibt in der Serie weitgehend unbeachtet, was wiederum stereotype Bilder bestärkt.
Zudem fällt auf, dass die Darstellung von Muslimen stark liberal geprägt wirkt, was möglicherweise an den Hintergründen der Macher liegt. Dies führt zu einem verzerrten Bild des Lebens praktizierender Muslime. Die Serie scheint zwischen verschiedenen Themen zu schwanken – sie möchte sowohl über Muslime als auch über Migranten sprechen, vermischt aber häufig diese beiden Begriffe. Dadurch entsteht der Eindruck, dass bestehende Stereotype eher bestätigt als hinterfragt werden.
Die Intention der Serie ist zweifellos gut, doch einige Darstellungen scheinen einem bestimmten Weltbild zu entsprechen, das die Lebensrealität vieler Muslime oder Migranten nur unvollständig abbildet. Gerade diese Vereinfachungen könnten bei der Rezeption der Serie zu Missverständnissen führen und sollten in einer möglichen Weiterentwicklung differenzierter ausgearbeitet werden.