The Menu
Eine Gruppe von unterschiedlichen Personen nimmt auf einer Insel an einem sehr exklusiven Dinner teil.
Kunst kann aus so vielen Perspektiven betrachtet werden. Möchte ich unterhalten, informiert, bestätigt, abgelenkt oder provoziert werden? Ist The Menu ein schnörkelloser Thriller, ein Diskurs über Kunst, eine Kritik an einer elitären Klasse oder etwas ganz anderes? Ich bin mir auch nach dem zweiten Schauen nicht sicher, was alles in dem Film steckt aber ich bin definitiv beeindruckt!
Als erstes fällt vermutlich der Cast auf. Anya Taylor-Joy ist als einzig geerdete Figur vermutlich für viele die Identifikationsfigur und erfüllt diese Aufgabe großartig. Ihre Skepsis, ihre flotten Sprüche und ihr Umgang mit der Situation sind clever und richtig unterhaltsam. Ihr gegenüber steht Ralph Fiennes als obsessiver, frustrierter und autoritärer Starkoch. Allein seine Präsenz ist beeindruckend. Er bringt jede Facette seiner Figur perfekt rüber. Die restlichen Personen sind reine Klischees, wie Nicolas Hoult als ultimativer Fanboy, Janet McTeer als egozentrische Kritikerin. Das mag nerven aber ist meiner Meinung nach genauso, wie es sein soll. Begeistert hat mich noch die bedrohliche Ruhe von Hong Chau.
The Menu funktioniert für mich erstmal auf der Ebene eines herrlich fiesen Thrillers, der immer weiter eskaliert. Die knapp 100 Minuten sind angenehm kurzweilig und machen immer wieder richtig Spaß. Da gibt es andere Filme, die sich in bedeutungsschwangerer Ruhe ergehen. Außerdem sieht der Film fantastisch aus! Die Kameraarbeit, der Schnitt, die Kulissen und natürlich die Mahlzeiten. Alles hat Stil und ist auf den Punkt!
Dann werden in The Menu aber ganz viele Themen verhandelt oder zumindest abgerissen. Die Aufgabe von Kunst, der Status innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, Geschlechterhierarchien, der Umgang mit Kunstwerk & Künstler:in, die Kulturindustrie und vieles mehr. Immer wieder gibt es Momente, die einen zum Grübeln, Lachen oder Stutzen also zum Nachdenken bringen. Was steckt hinter den vermeintlich plumpen klischeehaften Figuren? Ist das Ende eine Abrechnung mit einem völlig elitären Kunstbetrieb oder doch eher eine Aufforderung sich mit Kunst ernsthaft auseinander zu setzen? Wo würde ich mich in dem Szenario wieder finden? Diese und weitere Fragen schwirren mir im Kopf.
Es gibt wenig Filme, bei denen mich andere Meinungen und Interpretation so sehr interessieren, wie bei The Menu und das zeigt in meinen Augen die große Klasse von diesem Kunstwerk.
Fazit: Kunst braucht Leidenschaft und die hat The Menu definitiv zu bieten! Ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Rewatch!