LIGHT & MAGIC
Staffel 2
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*“George was watching from his house in San Anselmo. They were showing him, of course, what ILM was doing. And when he saw Dragonheart, he said to Jim Morris, ‘ILM is ready to do The Phantom Menace.’” *
- Rob Coleman
In einer früheren, schriftlich fixierten Einschätzung zur ersten Staffel des Disney+ Originals Light & Magic* hatte ich inmitten eines Absatzes sinngemäß formuliert, dass, so sehr Star Wars zweifelsohne George Lucas bekanntestes und tief verankertes Vermächtnis darstellt, seine möglicherweise eigentliche, im Kern folgenreichere Schöpfung in der Gründung und visionären Etablierung von Industrial Light & Magic* (ILM) zu verorten sei. Nun, nach Sichtung der zweiten Staffel dieser Dokureihe, sehe ich mich veranlasst, diese zunächst noch in Vorsicht gewählte Formulierung aufzugeben und durch eine klare Feststellung zu ersetzen: ILM ist** seine bedeutendste Schöpfung.
Denn denkt man diesen Gedanken zu Ende und reflektiert ihn mediengeschichtlich sowie produktionsästhetisch, so wird unweigerlich deutlich, dass jenes Star Wars, wie es Millionen weltweit kennen, lieben und in unzähligen Formen weitertragen, ohne die Innovationskraft, das kreative Wagnis und den technischen Pioniergeist jener Firma schlichtweg nicht in der Form existent wäre, in der es sich seit 1977 global in die Imagination eingebrannt hat. Die Geschichte von Star Wars ist auch primär die Geschichte eines sich beständig neu erfindenden Effektstudios, das unter Lucas Schirmherrschaft zu einem Magneten für die brillantesten, unkonventionellsten und ideenreichsten Köpfe des Hollywood-Systems wurde. Ohne diese Menschen, ihre technischen Lösungen, ihren Einfallsreichtum und ihre Bereitschaft, Grenzen nicht nur zu verschieben, sondern systematisch zu überschreiten, wäre das, was gemeinhin als „Magie“ in Star Wars beschrieben wird, wohl nicht mehr als ein unterfinanzierter Traum geblieben.
Was die zweite Staffel von Light & Magic betrifft, so muss ich für meinen Teil einräumen, dass sie mir, was das konkrete Produktionswissen über die Entstehung der Prequel-Trilogie betrifft (hier liegt der Schwerpunkt explizit auf „The Phantom Menace“ und „Attack of the Clones“), nur in wenigen Punkten brandneue Informationen bieten konnte. Dies liegt nicht etwa an einer mangelnden Tiefe oder Sorgfalt der dokumentarischen Umsetzung, sondern schlicht an der Tatsache, dass ich mich über die Zeit hinweg intensiv mit entsprechenden Quellen befasst habe, insbesondere mit einer Reihe von Publikationen, die sich der Produktionsgeschichte von Lucas Hexalogie mit bewundernswerter Detailversessenheit gewidmet haben. Es war aber auch, das muss an dieser Stelle anerkennend festgehalten werden, nicht zuletzt die erste Staffel dieser Dokumentation, die überhaupt meine Neugier und Bereitschaft geweckt hat, tiefer in diese Thematik einzutauchen.
Doch das Entscheidende und in gewissem Sinne das, was Light & Magic für mich über einige andere Making-of-Formate erhebt, liegt weniger in der Vermittlung technischer oder historischer Fakten, sondern in der empathischen, humanistischen Würdigung derjenigen Persönlichkeiten, welche die beschriebenen Innovationen nicht nur ermöglicht, sondern auch emotional getragen haben. Der eigentliche Fokus liegt auf den Menschen, eben jenen, die mit Enthusiasmus, Frustration, Besessenheit, Teamgeist, Zweifel und Vision daran arbeiteten, etwas wahrlich Besonderes zu erschaffen. Es sind diese individuellen Motivationen, kreativen Auseinandersetzungen und auch biografischen Brüche, die der Dokumentation ihre eigentliche emotionale Tiefe verleihen.
So ist es durchaus bemerkenswert und, zumindest in meinem Fall, auch überraschend berührend, wie stark die emotionale Resonanz sein kann, wenn bekannte Gesichter, nun aber sichtbar gealtert, den Raum betreten, um über ihre Zeit bei ILM zu sprechen. Wenn John Knoll, Rick McCallum, Rob Coleman und viele andere Interviewpartner in Erscheinung treten, geschieht etwas, das über reine Nostalgie hinausgeht. Es entsteht eine subtile, aber tiefgreifende Form von Verbundenheit. Man wird, obwohl man diesen Menschen nie persönlich begegnet ist und bedauerlicherweise ziemlich sicher auch nie begegnen wird, in eine Atmosphäre emotionaler Nahbarkeit hineingezogen, die sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist eine stille Melancholie, gespeist aus der Erkenntnis, dass viele dieser Persönlichkeiten, die Star Wars in seiner Blütezeit entscheidend prägten, heute mit der gegenwärtigen Form dieser Marke nichts mehr oder nur noch sehr wenig zu tun haben. Es wird vielmehr über Vergangenes gesprochen, über abgeschlossene Kapitel, über eine Ära, deren Geist in der heutigen Serien- und Streaming-Realität nur noch in Fragmenten aufflackert.
Mitunter stellt sich, nicht selten unvermittelt, ein spürbares Gefühl emotionaler Enge ein, ein Moment beinahe körperlich erfahrbarer Rührung, wenn etwa der unangenehm geschickt konstruierte Übergang zwischen der ersten und der zweiten Episode vollzogen wird, dessen Wirkung gerade darin besteht, dass der informierte Zuschauer sehr wohl antizipiert, was nun folgen wird. Vergleichbar wirkmächtig ist jener Moment, in dem die Rede auf das faktische Ende des ILM-Modelshops kommt, jenes traditionsreichen Zentrums praktischer Effektarbeit, das gleichsam als Herzstück früher ILM-Schaffensphasen gelten kann. Ein Einschnitt, der nicht bloß als technologische Zäsur zu begreifen ist, sondern in seiner Symbolik, insbesondere im Anschluss an die Fertigstellung von Lucas „Revenge of the Sith“, sinnbildlich für das Ende einer Ära steht. Dass diese Zäsur in der Dokumentation so deutlich als Verlust spürbar wird, spricht für ihre Qualität.
Nicht gänzlich ohne spürbare Konsequenzen bleibt indes der Umstand, dass die zweite Staffel in ihrer Gesamtheit lediglich aus drei Episoden besteht. Während sowohl „The Phantom Menace“ als auch „Attack of the Clones“ noch mit wünschenswerter narrativer und technischer Tiefenschärfe behandelt werden, fällt die Besprechung von „Revenge of the Sith“ auffällig gerafft aus, was wiederum zur Folge hat, dass bestimmte thematische Vertiefungen, deren Aufarbeitung aus einer filmhistorischen wie auch ästhetischen Perspektive naheliegend gewesen wäre, letztlich unterbleiben. Exemplarisch zu nennen wäre hier etwa eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Figur des General Grievous oder eine systematische Gegenüberstellung der digitalen Evolution Yodas zwischen den Episoden II und III, die technisch signifikante Fortschritte dokumentiert und ein eigenständiges Kapitel innerhalb der Geschichte verdient hätte. Auch der zentrale Protagonist der damaligen Produktionsprozesse, Rick McCallum, kommt für meinen Geschmack zu sporadisch und damit unterrepräsentiert zu Wort, was insbesondere in Anbetracht seiner maßgeblichen Rolle im organisatorischen wie kreativen Gefüge jener Zeit eine verpasste Gelegenheit zur Kontextualisierung darstellt.
Fairerweise sei jedoch angemerkt, dass die Home-Releases der Prequel-Trilogie (DVD und Blu-ray) bereits ein hohes Maß an dokumentarischem Begleitmaterial enthielten, weshalb das Fehlen mancher Details innerhalb dieser Serie nicht als gravierender Mangel gewertet werden muss. Wer sich noch intensiver mit dem Produktionsprozess auseinandersetzen möchte, wird in jenen Archivmaterialien gut fündig.
Im Fazit bleibt festzuhalten: Light & Magic ist und bleibt eine zutiefst beeindruckende Dokumentation, welche, auch mit der im Umfang reduzierten zweiten Staffel, nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt hat. Sie ist sowohl ein intimes Porträt kreativer Pioniere als auch eine Reflexion über die Vergänglichkeit einer Ära. Nach wie vor handelt es sich für mich hierbei um das mit Abstand gelungenste Original-Format auf Disney+, sehenswert, nachwirkend, ehrend. Wer sich darauf einlässt, erlebt mehr als bloße Information. Er erhält Zugang zu einem emotionalen Resonanzraum, der inspiriert, berührt und motiviert, und das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Diese dokumentarische Serie sei an dieser Stelle also nachdrücklich empfohlen, für all jene, die sich als Liebhaber der Filmgeschichte verstehen, und ebenso für jene, die an der transformativen Kraft und der kreativen Alchemie des Filmemachens interessiert sind. Ein Werk von exemplarischem Wert, für Filmschaffende wie Cineasten gleichermaßen.
In ihrer Gesamtheit entfaltet sie nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Evolution visueller Effekte, sondern veranschaulicht in gleicher Weise den oft unterschätzten Einfluss einzelner visionärer Persönlichkeiten auf die gesamte Industrie, was mich zu meiner finalen Bemerkung führt: Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang nämlich auch immer wieder die omnipräsente, zugleich aber selten explizit gewürdigte Rolle von George Lucas selbst, dessen Beitrag zum modernen Kino kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. So häufig seine Person und insbesondere die Star Wars-Prequels (nicht selten vorschnell und wenig differenziert) Gegenstand öffentlicher Kritik waren und weiterhin sind, so unübersehbar klar bleibt doch, dass es Lucas war, der nicht nur den paradigmatischen Wandel des Kinos im digitalen Zeitalter antizipierte, sondern maßgeblich initiierte. Ihm verdanken wir die Etablierung und Weiterentwicklung fundamentaler Technologien, von digitalem Schnitt und Tonbearbeitung über die Begründung und institutionelle Festigung der gesamten Branche durch die Gründung von ILM, bis hin zur Entstehung von Pixar. Nicht zuletzt war es Lucas, der mit den Prequels als erster konsequent auf digitale Kameratechnik setzte (was hier ebenfalls behandelt wird) und das rund ein Jahrzehnt, bevor sich diese Technologie flächendeckend in der Industrie durchzusetzen begann, und so an der Entwicklung digitaler Kinokameras ebenso beteiligt war wie an der Etablierung entsprechender Produktions-Workflows.
In Summe ließe sich mit Recht behaupten, dass George Lucas womöglich als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der modernen Filmgeschichte zu betrachten ist, eine Einschätzung, die in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute weit hinter ihrer faktischen Relevanz zurückbleibt. Diese Serie leistet somit auch einen längst überfälligen Beitrag zur Sichtbarmachung jenes kreativen und technologischen Erbes, das das zeitgenössische Kino bis in seine Grundfesten hinein geprägt hat.