WandaVision
"Einfach mal abschalten!" (Peter Lustig)
Wanda und Vision leben in einem Szenario, das einer 50er Jahre Sitcom gleicht. Schnell wird klar, hier stimmt etwas nicht.
Das wird jetzt wieder viel zu lang, liest doch kein Mensch.
Die Kurzform: WANDAVISION ist viel zu langes, über weite Strecken banaler, im Detail erschreckender, Müll. Danke.
Langfassung:
Allgemeines Lobgeschrei jener überhörend, die in dem kulturnationalistischen Sumpf Marvels stecken geblieben sind und jeden banalen Blödsinn abfeiern, so lange irgendwo im Hintergrund ein Easter Egg rumsteht das auf irgendeine limitierte Comicausgabe aus den 70er Jahren verweist und man es schon als kulturellen Diskurs ansieht, wenn man aufgrund der Frisur einer Nebenfigur eine komplett abwegige neue Storyline vermutet, hab ich echt versucht WANDAVISION unvoreingenommen zu gucken.
Ich wurde zumindest nicht enttäuscht, da ich seitens Marvel aber nur im besten Falle Mittelmaß erwarte, ist diese Aussage nicht positiv zu werten.
Natürlich ist auch diese Serie viel zu lang für das, was sie zu erzählen hat, das Konzept recht schnell ausgereizt, aber man muss halt wenigstens neun Folgen haben, weil das im Abomodell von Disney+ gut drei Monate Mitgliedschaft ausmacht.
Mir wird in Sachen Serien immer vorgeschwärmt, was für erzählerische Möglichkeiten hier drin sind, aber sowas wie WANDAVISION lässt mich da echt nur mit den Augen rollen.
Ich meine, eine Folge lang dient echt nur als erzählerische Liste abhakende Erklärung dafür, was die letzten sieben Folgen vor sich ging. Die letzte Folge versinkt dann auch nur in einem 08/15-Finale mit CGI-Gekloppe, wo alles ehrlicherweise eh nur dazu dient, den Boden für zukünftige Marvelmedien vorzubereiten. Und insgesamt frage ich mich auch, ob denn THE TRUMAN SHOW, GET OUT! und PLEASANTVILLE in der heutigen medialen Rezeption so schnell aus den durch contentzugeballerten Bingewatchgehirnen gelöscht wurden, dass eine zu 70% aus diesen Vorlagen geklaute Story als innovativ gilt.
Zu guter Letzt, was hier unterschwellig geboten wird ist verachtenswert:
1. Auch hier gibt es wieder die seit Jahren bei Marvel vorherrschende Tendenz zu beobachten, dass normale Menschen schlicht weniger wert zu sein scheinen. Wenn Wanda am Ende gesagt bekommt, dass die Leute ja gar nicht wissen, was sie alles für diese geopfert hätte, dann ist das in Anbetracht dessen, dass die Leute dort seit unbestimmter Zeit geistig kontrolliert (böse Leute könnten das Wort "Folter" verwenden) und ihrer Identität (bei vollem Bewusstsein!) beraubt wurden eine Farce. Aber eigentlich, das ist die schlimmste Erkenntnis, hatte der "böse" (btw natürlich weiße ältere Cis) Mann vielleicht eine valide Grundlage dafür, als er Wanda beseitigen wollte.
Schon der Titel WANDAVISION ist da natürlich mehrdeutig. Neben den Namen der beiden Figuren ist es natürlich auch auf die "Vision Wandas" bezogen. Nach amerikanischer Firmenpolitik, insbesondere Techfirmen (Tesla, Amazon etc.) steht die Vision über allem. Der Einzelne hat sich dieser, ähnlich dem Faschismus, unterzuordnen. Ganz im Sinne dieser Ideologie wird daher auch das Opfer Wandas ganz besonders hervorgehoben. Die Menschen sind die vermeintlich Ignoranten.
2. Die Böse wird ihrer Identität beraubt. Selbst in allen anderen Superhelden-Verfilmungen, wenn die Bedrohung in die nächste Schlucht geworfen wird, darf diese bisher zumindest bis zum Ende im eigenen Bewusstsein bleiben. Hier nun wird daraus das Unterdrücken des eigenen Ich, zum Wohle des großen Ganzen, ein Schelm, wer da an den Faschismus denkt. Natürlich, ganz im Sinne einer Firmenphilosophie soll dieses Ich jederzeit reaktiviert werden können, wenn der Bedarf besteht. Und das ist, wie gesagt, die edle Heldentat. Die Gnade, ggü der Bösen.
3. Ansonsten würde mich die Reaktion vor allem in den sozialen Netzwerken interessieren, wenn sich heute ein männlicher "Held" eine weibliche Fantasie erschafft, die bei Aufmucken sofort wieder unter Kontrolle gebracht gehört. Ob das dann ebenso als tragische Romanze angesehen wird, wage ich zu bezweifeln.
Alles echt zu ärgerlich für einen schmissigen Endsatz.