Evil Does Not Exist
In unserer Gesellschaft geistert oft ein Unverständnis für andere Meinungen und Auffassungen herum, das jede transformative Idee erstickt. Evil Does Not Exist zeigt diese Problematik durch zahlreiche Parabeln des menschlichen Seins auf und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs. Dieser ist zurzeit stark von sich gegenseitig rivalisierenden Bubbles geprägt. Diese Bubbles bewerten Ansichten und Denkweisen als gut oder böse, bedeutend oder unnötig. Doch wie der Titel des Films vorschlägt, hilft ein dualistisches Denken in Schwarz und Weiss kaum bei der Bewältigung grosser oder kleiner Problemstellungen. Viel wichtiger ist es, die Weltanschauung anderer erst richtig zu verstehen, bevor wir sie bewerten.
Evil Does Not Exist folgt primär dem idyllischen Leben von Takumi [Hitoshi Omika] und seiner Tochter Hana [Ryo Nishikawa] in einem ländlichen Vorort Tokyos. Diese Idylle wird jedoch von einer Firma aus Tokyo gestört, die im verschneiten Wald eine Glamping-Anlage errichten will. Schnell wird den Bewohnern des Dorfes klar, dass die geplante Umsetzung des Projekts das Ökosystem der Gegend in Gefahr bringt.
Statt auf dem bekannten Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie zu beharren, entscheidet sich Regisseur und Autor Ryusuke Hamaguchi, den Fokus auf die zu Beginn erwähnte Thematik des Verständnisses zu setzen. Immer wieder wird dieses Unverständnis zwischen der ländlichen Bevölkerung und den Städtern in kleinen alltäglichen Situationen aufgezeigt, sei es beim Holzhacken oder beim gemeinsamen Essen im lokalen Restaurant.
Die schauspielerische Leistung des gesamten Casts ist so überzeugend, dass es zuweilen scheint, als würden sie gar keine Rolle spielen. Der Film wird von einem ruhigen und atmosphärischen Soundtrack von Eiko Ishibashi begleitet. Die Aufnahmen der Tokyo Region treffen ebenfalls meinen Geschmack, auch wenn zu erwähnen ist, dass viel Geduld vom Zuschauer abverlangt wird, da jede Einstellung sehr lang und statisch wirkt. Der Film hat dadurch in bestimmten Teilen eine fast meditative Wirkung, was durchaus nicht jedermanns Geschmack treffen kann, besonders wenn man sich ansonsten an kommerzielles Kino gewöhnt ist.
Wer mit einer gewissen Erwartungshaltung und einem Interesse an der Dekonstruktion des Status quo diesen Film sieht, wird Freude an ihm finden. Er wird über Zitate wie "Wasser fliesst immer bergab" und dessen Anwendbarkeit in Verantwortungsfragen noch Tage lang nachdenken.
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