Lady Bird
Lady Bird ist Greta Gerwigs Regie-Debüt und hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt und tief bewegt. Die Coming-of-Age Geschichte fängt die Realität des Erwachsenwerdens in all seiner Komplexität ein und zeigt die mühsame Suche eines Teenager nach einem Platz in der Welt. Was den Film besonders macht, ist die akzentuierte Erzählweise, die mich auf eine emotionale Achterbahn mitnahm. So musste ich sowohl herzhaft Lachen wie auch bitterlich weinen.
Geschildert wird die Coming-of-Age Geschichte aus zwei Perspektiven: Aus der Sicht von Christine “Lady Bird” McPherson [Saoirse Ronan] und ihrer Mutter Marion [Laurie Metcalf], die beide mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Lady Bird kämpft mit den genre-typischen Problemen, wie Identität, Freundschaften, Liebe und der grossen Sehnsucht aus Sacramento weg zu kommen. Marion hingegen arbeitet in Doppelschichten, um gegen die finanziellen Probleme der Familie anzukämpfen. Zugleich hat sie Schwierigkeiten, ihre Tochter zu verstehen und loszulassen. Mit dieser dualen Erzählweise werden wir ganz langsam an die spannende Mutter-Tochter-Beziehung herangeführt.
Und der stärkste Aspekt des Films ist die unglaublich reale und nuancierte Darstellung dieser Beziehung. Der Film zeigt die Wünsche und Träume eines Teenagers und stellt diese den finanziellen und emotionalen Belastungen der Eltern gegenüber. Die darin liegende Diskrepanz ist der Kernkonflikt, doch statt in der Dramatik zu enden, zeigt der Film die Liebe, die trotz aller Missverständnisse, Verärgerungen und Bitterkeit zwischen den beiden existiert.
Dabei greift der Film eine Idee der Philosophin Iris Murdoch auf, die besagt, dass wahre Liebe durch Aufmerksamkeit und Selbstlosigkeit entsteht. So stellt Schwester Sarah Joan [Lois Smith] in einem Aufsatz von Lady Bird fest, dass diese Sacramento sehr liebt, da sie die Stadt sehr genau beschreibt. Als die Schwester dies anspricht, erklärt Lady Bird, dass sie diese halt sehr aufmerksam beobachtet und beschreibt. Schwester Sarah Joan wirft dann in den Raum, dass Liebe und Aufmerksamkeit doch wohlmöglich das selbe sei.
Es ist klar, dass auch Sacramento eine zentrale Rolle im Film spielt. Die Stadt symbolisiert Heimat, den Ort, der uns formt, ohne dass wir es bewusst merken. Erst als Lady Bird nach New York zieht und Sacramento verlässt, wird ihr klar, wie sehr sie mit ihrer Heimat verbunden war und erkennt die tiefere Bedeutung dieses Ortes.
Lady Bird ist mehr als ein Highschool-Drama. Die Coming-of-Age Geschichte versteht, dass es als Teenager manchmal einfach ums Erfahren, Wachsen und Akzeptieren geht. Greta Gerwig zeigt das Heranwachsen so unvoreingenommen, rein und offen und löst eine Bandbreite von Gefühlen aus. Neben der seichten Geschichte, erzählt sie aber auch den Kampf der unteren Mittelschicht Amerikas. Lady Bird war für mich eine wahrhaftig einzigartige Erfahrung und brachte mich in eine Gefühlslage die ich zuletzt hatte, als ich den ersten Life is Strange Teil durchgespielt habe.