Pulp Fiction
Gibt es einen tieferen Sinn im Leben, oder ist es lediglich eine Kette von belanglosen Zufällen, die weder Bedeutung noch Richtung haben? Und wenn es kein stabiles Wertesystem gibt, wie können wir dann überhaupt über richtig und falsch urteilen? Quentin Tarantino geht diesen Fragen in Pulp Fiction nach und stellt sie in den Kontext von Glauben, denn Glauben kann das Problem von fehlender Bedeutung lösen, indem er eine höhere Ordnung vorschlägt, die über uns hinausgeht.
Dabei entzieht sich Pulp Fiction einer konventionellen Struktur und besteht aus drei separaten Geschichten, die miteinander verwoben sind. Erst in den letzten Szenen fügen sich die drei Geschichten zu einem Gesamtbild zusammen, welches uns mit den Fragen über Philosophie, Moral und Glauben konfrontiert.
Es fällt mir schwer, die Komplexität dieser philosophischen Themen in ihrer Gesamtheit in Worte zu fassen, doch eine Szene hat sich mir eingeprägt. Das letzte Gespräch zwischen Jules [Samuel L. Jackson] und Vincent [John Travolta] brachte mich zum Nachdenken über meine eigene Auseinandersetzung mit Glauben, die mich in den letzten Wochen stark begleitet hat.
VINCENT
So if you're quitting the life, what'll you do?
JULES
That's what I've been sitting here contemplating. First, I'm gonna deliver this case to Marsellus. Then, basically, I'm gonna walk the earth.
>
VINCENT
What do you mean, walk the earth?
JULES
You know, like Caine in Kung Fu. Just walk from town to town, meet people, get in adventures.
VINCENT
How long do you intend to walk the earth?
JULES
Until God puts me where he wants me to be.
VINCENT
What if he never does?
JULES
If it takes forever, I'll wait forever.
Jules beschreibt hier einen grundlegenden Aspekt des Glaubens: Vertrauen in das Ungewisse. Er entscheidet sich, einen neuen Weg zu gehen, ohne zu wissen, wohin dieser ihn führen wird. Doch er hat die Überzeugung, dass er irgendwann an den Ort gelangt, an dem er sein soll. In meinem aktuellen Verständnis von einem erfüllten Leben bewegt sich der Mensch auf einem langen Pfad mit vielen Verzweigungen. Das Einzige, was er tun kann, ist diesen Weg zu gehen und jeder Abbiegung mit Mut zu begegnen, in dem Wissen, dass sein Glaube ihn an das richtige Ziel führen wird.
Ich hinterfrage mich ständig, zweifle an meinen Entscheidungen, verliere mich im Überdenken. Und doch glaube ich, dass all diese Unsicherheiten verblassen würden, wenn ich glauben würde – sei es an Gott, an mich selbst oder an ein karmisches Gleichgewicht. Ich sollte diesen Leap of Faith vollziehen, um den Weg unbeschwert und mit Zuversicht zu beschreiten. Oder in Denzel Washingtons Worten, die mich in diese Auseinandersetzung mit Glauben hineingezogen haben:
"Man goes down to the ocean and tries to fit all the knowledge of the ocean into his little brain instead of just jumping in the water and enjoying himself. Sometimes you just have to have faith in things bigger than our ability to understand them. Sometimes you have to just jump in the water and enjoy yourself and not try to figure it out." – Denzel Washington
#faith