The Devil Wears Prada 2
Der erste Teil von Der Teufel trägt Prada funktionierte, weil er konsequent das Fish-out-of-Water Prinzip durchzog: Andy Sachs [Anne Hathaway], die ambitionierte Yale-Absolventin mit journalistischen Träumen, wurde in eine Welt geworfen, in welche sie weder gehörte noch gehören wollte. Die Reibung zwischen ihrem inneren Wertegerüst und der oberflächlichen, hierarchisch durchstrukturierten Mode-Sphäre des Runway-Magazins war der Motor des Films. Zwanzig Jahre später kehrt David Frankel mit demselben Personal für ein Legacy Sequel zurück, nach dem niemand gefragt hat, doch das Fish-out-of-Water-Prinzip trägt nicht mehr. Dementsprechend muss das Sequel den Fokus auf das Verlagssterben in der digitalen Ära verlagern, was eine durchaus zeitgemässe und potenziell interessante Thematik wäre. Doch das Drehbuch kreiert aus diesem neuen Setting keine eigenständige Geschichte und so klebt der Film penetrant an den Mechanismen des Originals. Andy hetzt erneut wie ein aufgescheuchtes Reh von Aufgabe zu Aufgabe, um ihre Chefin Miranda Priestly [Meryl Streep] zufriedenzustellen. Es wird zwar behauptet, dass sie jetzt viel selbstsicherer ist, doch im Schauspiel von Anne Hathaway findet sich davon kaum eine Spur. Ihre Körperhaltung bleibt eingezogen, der Blick suchend, die Stimme weiterhin in jener fragenden Aufwärtsbewegung der Anfängerin.
Besonders nervig ist, wie der Film mit dem Zuschauer umgeht. Die erste halbe Stunde besteht aus einer pausenlosen Erklärungsorgie, warum die Situation so ist, wie sie ist. Jede Beziehung, jede Hierarchie und jede Branchen-Veränderung wird vorgekaut, als ob das Publikum eine kollektive Amnesie erlitten hätte. Was bei einem Legacy Sequel ebenfalls nicht fehlen darf, sind gut platzierte Anspielungen auf den Vorgänger. In Der Teufel trägt Prada 2 sind diese allerdings nicht platziert, sondern grosszügiger gestreut, als ein Bauer sein Düngemittel im Frühjahr. Würden diese Anspielungen auch noch riechen, wäre der Vergleich perfekt. Beliebig hingeworfene Sätze wie "Ich habe mal deinen Job gemacht" oder "Geh ja nicht in das obere Stockwerk, wenn du etwas bei Miranda zuhause vorbeibringen musst" fühlen sich zum einen unecht an und sind zum anderen einfach nur unnötig, wenn im Anschluss dieselben Erinnerungen durch tatsächliche Szenen bedient werden.
Das eigentliche Opfer dieser miserablen Konstruktion eines zweiten Teils ist Miranda Priestly beziehungsweise die geniale Meryl Streep. Im ersten Teil war ihre Figur unantastbar und ihre Macht, die sich aus ihrer absoluten Selbstgewissheit speiste, einschüchternd. In der Fortsetzung wird genau dieses Fundament unterspült, weil man den Druck rund um Mirandas Position bei einem sterbenden Print-Magazin künstlich erzeugt und sie nie mit der gleichen Selbstsicherheit auftreten lässt. Hier und da trifft man die herablassende Schärfe der Figur, aber an so vielen anderen Stellen setzt man ihr beispielsweise jemand vom HR daneben, der ihr dann sagt, dass man so nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen darf. Übrig bleibt eine entkernte Version von Miranda, die weder die alte Bedrohlichkeit besitzt noch eine überzeugende neue Form findet. Meryl Streep liefert technisch sauber ab, aber in Erinnerung bleibt sie für diese Rolle definitiv nicht.
In der zweiten Hälfte findet der Film für kurze Momente zu einer eigenen Stimme. Die Szenen rund um die Unternehmensübernahme und das damit verbundene Wegrationalisieren von Personal treffen einen Nerv, weil sie gegenwärtige Realität abbilden. Hier wird kurz spürbar, dass hinter den Modemagazin-Glamourbildern echte Existenzängste lauern und dass auch Miranda ein Räderwerk steuert, das sie selbst nicht kontrollieren kann. Doch diese Ansätze bleiben Skizzen. Im Gesamteindruck wirkt Der Teufel trägt Prada 2 wie ein gut kalkulierter Cash-Grab einer bisher ungenutzten IP. Das ist symptomatisch für einen breiteren Hollywood-Trend: Seit 2015 dominieren Legacy Sequels die Kinolandschaft, weil Studios in einer risikoaversen Branche lieber bekannte Marken ausschlachten, als in originale Stoffe zu investieren. Es gibt Beispiele, die zeigen, dass Legacy Sequels funktionieren können (Top Gun: Maverick), aber dann brauchen sie eine eigene Daseinsberechtigung und keine geliehene. Mit Sicherheit werden sich einige über diese Fortsetzung freuen, und es steht ausser Frage, dass solche Filme produziert werden dürfen. Aber ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass Legacy Sequels auch wirklich eine Geschichte mit Charakterentwicklung zu erzählen haben, statt sich an der Erinnerung an bessere Filme festzukrallen.
#alone#kinozug:seehof