Goldfinger
„Nein, Mr. Bond - ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben!„
-Auric Goldfinger
Goldfinger: Die Blaupause für James Bond
Für viele ist Goldfinger der ultimative Bond-Film. Mindestens 50 % würden ihn wohl als ihren Lieblingsbond nennen und von den übrigen 50 % kennen ihn vermutlich 30 % gar nicht.
Ein wegweisender Film also.
Im Vergleich zu seinen Vorgängern wirkt die Story deutlich stringenter, das übliche Hin und Her ist diesmal reduziert. Der Film setzt verstärkt auf jene Elemente, die später zum Markenkern der Reihe werden sollen. Zum Zeitpunkt seines Erscheinens ist dies jedoch noch keine Formel, sondern Innovativ.
Zum Intro mehr unten.
Danach führt uns der Film direkt in ein Hotel in Miami. Goldfinger wird sofort als überlebensgroßer Gegner eingeführt. Ein Mann, der buchstäblich eine Frau in Gold hüllt, um sich zu rächen. Ein ikonischer Shot, der filmisches Erbgut darstellt auch wenn der logistische Aufwand für so einen Mord logisch betrachtet wohl enorm sein muss.
Es folgt der klassische MI6 Auftrag samt vertrauter Stationen: Moneypenny, M, Q. Eine charmante Tradition, die hier erstmals vollständig abgelaufen wird.
Ab dann reiht sich Highlight an Highlight:
Das psychologische Duell beim Golf, die Verfolgung durch die Alpen, die Spionage von Aurics Anlage, die spektakuläre Gefangennahme, das ikonische Verhör („No, Mr. Bond, I expect you to die!“), der Angriff auf Fort Knox, das Duell mit Oddjob und schließlich die letzte Konfrontation, alles Meilensteine des Franchise.
Kaum ein Bond Film hat so viele ikonische Momente auf so engem Raum.
Zugegeben, man könnte all diese Szenen ausführlich besprechen, jede für sich wäre eine Analyse wert. Aber selbst im Schnelldurchlauf bleibt ihr ikonischer Status bestehen.
Trotz all des Lobes ein kleiner Kritikpunkt, je nachdem, wie man es sehen möchte:
Ich mochte den politischeren Unterton und die etwas rauere Gangart der Vorgänger. Goldfinger setzt stärker auf Schauwerte und Mainstream Kompatibilität. Das könnte man kritisieren, wird aber eine Herausforderung wenn es so gut gemacht ist.
Die Balance zwischen Schauwerten und Inhalt kippt hier erstmals leicht zugunsten der Schauwerte, aber auf höchstem Niveau.
Kategorien:
James:
Sean Connery hat seine Rolle hier perfektioniert. Ob im weißen Dinnerjackett, Golf-Outfit, grauen Anzug oder brauner Schweiz-Montur, stilistisch wie schauspielerisch eine Wucht. Connery strahlt vor Charisma. Viele seiner Posen sind heute ikonisch.
Sein selbstbewusster, leicht zynischer Charme wird hier zum Vorbild für alle Nachfolger.
Manko: Aus heutiger Sicht bleibt sein Frauenbild gelinde gesagt extrem problematisch, da lässt sich nichts schönreden.
Besonders die Szene mit Pussy Galore ist beschissen und wäre heute so kaum noch denkbar.
Anfangssequenz:
Anders als in den Vorgängern sehen wir Bond bei einem Auftrag. Diese Tradition setzt sich fort. Der weiße Anzug bleibt unvergessen. In diesen fünf Minuten gibt es alles, was Bond ausmacht: Spannung, Stil und tolle Schauplätze.
Main Theme:
Es gibt wohl keinen Namen den man musikalisch abseits von John Berry mehr mit Bond verbindet als Sherley Bessey. Mit Goldfinger hat sie ihr Meisterstück abgeliefert.
Erfindungen:
Die Q-Abteilung läuft zur Hochform auf. Das beliebte Labor wird hier endgültig eingeführt.
Schauwerte erhalten wir allerhand.
Die Show stiehlt aber ganz klar der Aston Martin DB5, das Bond-Auto schlechthin. Die Extras dürften die bekanntesten der Filmgeschichte sein und haben zweifellos popkulturell weit über das Franchise hinausgewirkt (Stichwort: Mario Kart?).
Schurken:
Kein Spectre und doch die Geburt des Superschurken. Auftritt Gert Fröbe. Muss man hierzu noch etwas sagen?
Sein Handlanger Oddjob gehört ebenfalls ins Pantheon der Bösewichte. Trotzdem ist er ganz klar die Nummer 2 und das liegt nicht an mangelnder Präsenz, sondern an der Dominanz Goldfingers.
Bond Intro:
Gold und Schwarz sahen selten besser aus. Für 1964: Top-notch Visuals. Zusammen mit Shirley Basseys Stimme wird das zur Blaupause für alle folgenden Intros.
Orte:
Kentucky und die Schweiz klingen zunächst nicht nach absoluten Highlights. Doch Regisseur Guy Hamilton gelingt es, aus beiden Locations visuell und atmosphärisch alles herauszuholen.
Beispielsweise die Alpen oder Fort Knox kombiniert mit Ken Adams legendären Sets (Goldfingers Ranch! Der Laser!).
Fort Knox stelle ich mir übrigens bis heute genau so vor!
Narrativ:
In Fort Knox einbrechen und das Gold der USA radioaktiv verstrahlen, um den Wert des eigenen Goldes zu steigern: nicht nur ein genialer Plan, sondern auch größentechnisch ein neues Level!
Das traurige: Anders als im Vorgänger macht das hier trotzdem mehr Sinn.
Damen:
Die offensichtliche Wahl fällt wohl auf Pussy Galore. Jill und Tilly Masterson finde ich allerdings interessanter.
Ihr Arc ist spannender und zumindest Tilly wird einmal nicht auf Bond reduziert.
Der Film wagt hier mehr Ambivalenz, als viele seiner Nachfolger
Abschließend: Goldfinger wird mit ziemlicher Sicherheit in meinen Top 3 Bond-Filmen landen. Neben GoldenEye und Casino Royale der Film, zu dem ich greife, wenn ich jemanden in das Franchise einführen möchte.
„Überlegen Sie sich Ihre nächste geistreiche Bemerkung sorgfältig, Mr. Bond. Es wird vielleicht Ihre letzte sein.“
- Goldfinger