Bones and All
Bones and All ist einer der besten Inszenierungen von Liebe.Ich muss lowkey sagen, ich wollte schon ewig so eine Review schreiben. Allein über Call Me by Your Name wollte ich so eine schreiben, was ich immer noch tue. Doch Bones and All hat sich in letzter Zeit so in mein Herz eingenistet, dass ich nicht anders kann, als diese Review zu schreiben, weil ich wirklich dazu stehe, dass Bones and All eine perfekte Inszenierung von Liebe ist und zur Info, diese Review hat Spoiler, also bitte erst den Film schauen.Eigentlich würde ich mit dem Titel starten wollen, weil der auch so viel aussagt. Bones and All bedeutet wirklich alles komplett, ganz ohne Reste und im Film verbunden ist es, wenn du jemanden komplett isst, also sogar die Knochen. Aber wirklich emotional gesehen bedeutet es, dass egal wie viele Fehler du hast, egal wie viele Traumata du durchlebt hast, egal wie instabil oder schlimm du seist, ich will dich.Bei Maren ist es allein ihre Angst, nie geliebt zu werden, wenn jemand erfährt, was sie ist.Dieser Gedanke verfolgt sie, bis sie auf Lee trifft, der mit keiner Moral auf ihre Frage antwortet, sondern mit Akzeptanz. Auch wenn man sagen muss, dass es an sich Luca Guadagninos Art ist, Liebe zu zeigen, also keine Rettung oder Heilung, sondern Anerkennung und Akzeptanz (wie auch bei Call Me by Your Name). Kannibalismus wird zudem im Film nicht als Provokation dargestellt, sondern eher als eine Art radikale Intimität. Wenn man es sich obertlächlich anguckt, sieht man, Oh, sie essen Menschen, das soll der Horror Effekt sein, der Shock. Doch der Kannibalismus wird nicht benutzt, um eine Monster Metapher darzustellen, sondern um eine Liebesmetapher aufzubauen. Weil Liebe ist in dem Film nicht Ich mag dich, sondern Ich nehme dich in mich auf. Ich mache dich zu einem Teil meines Körpers, also die extremste Form von Nähe, die man sich vorstellen kann. Es lebt nicht nach dem Ich will dich in meinem Leben, nein, es lebt nämlich nach dem Motto Du wirst Teil von meinem Blut, also eher einer physischen Nähe. Damit unterscheidet sich auch Bones and All von vielen Liebesfilmen, weil auch viele Liebesfilme sagen Ich will mit dir verschmelzen, doch Bones and All sagt, dass Verschmelzen Zerstörung heißt und genau da liegt der Schmerz.Auch der Hunger in Bones and All steht gleichzeitig für die Sehnsucht nach Bindung, weil der Hunger in Bones and All funktioniert wie romantische Sehnsucht. Er kommt plötzlich, er ist körperlich, er lässt dich nicht los und er macht dich irrational. Das bedeutet, Liebe wird nicht als das romantische Gefühl gezeigt, sondern als ein biologischer Drang, etwas, was dich plötzlich überrollt. Bei Maren wird dies auch gut widergespiegelt. Am Anfang das Essens fühlt sie sich kurz verbunden, doch danach kommt Leere, also wie eine toxische Liebe oder wie das Gefühl, jemanden zu brauchen, um sich selbst zu spüren.Doch abgesehen vom Kannibalismus ist auch der Roadtrip wichtig und die Landschaften.Man sieht, dass die Landschaften riesig sind, offen und eigentlich auch ein grenzenloser Raum, doch trotzdem sind sie gefangen, und das nicht durch die Gesellschaft, sondern durch ihre eigene Natur. Liebe gibt ein Gefühl von Zuhause. Kein Haus, keine Stadt, kein Ort generell konnte ihnen dieses Gefühl geben, nur der andere Körper.Kommen wir zu dem Punkt, den ich weniger mag und zwar gibt es ja zwei Figuren in Bones and All, die Maren lieben. Sully und Lee und natürlich könnte man sagen, dass Sully ein komischer Dude ist, der auch extrem alt ist und kein Wunder, dass Maren nichts von ihm wollte. Doch man muss es wie bei jedem Guadagnino Film auf einer gefühlvolleren Basis betrachten. Sully liebt sie, weil sie wie ein Spiegel seiner Einsamkeit ist und er will dies als Besitz haben oder als Kontrolle, um es besser auszudrücken und bei Lee ist es wiederum so, er sieht sie als eine Person an. Er könnte sie gehen lassen. Er will keine Kontrolle und da kommt man dann zum wahren Kern und zwar steht Sully in dem Ganzen als Liebe aus Angst und Lee als Liebe, die aus eigener Wahl entsteht. Auch wenn Liebe sie nicht rettet (klingt traurig, aber ist auch wieder so ein Luca Guadagnino Move), schenkt es ihrBedeutungIn der Theorie habe ich noch mehr Punkte, aber das ist eine Zusammenfassung von den Grundelementen, die für mich selber wichtig waren. Aber als letzter Punkt kommt noch das Ende von Bones and All dran.Als Lee zu Maren sagt, sie soll ihn bones and all essen, steht es nicht als Horror Faktor und auch nicht als Oh mein Gott, ja, eine wunderschöne Liebe zusammen, sondern sie soll ihre Liebe zu ihm zeigen, wie tief sie geht. Also ein, Wenn du mich liebst, dann nimm mich ganz, auch wenn es dich zerstört, wieder eine radikale Form, die benutzt wird, doch diesmal ist es eine radikale Form von Hingabe. Um brutal ehrlich zu sein, ist die Wahrheit, die dieser Film sagen will, Liebe ist nicht heilend, sie ist konsumierend. Trotzdem ist sie echt und vielleicht sehen manche Menschen Liebe nicht als Sicherheit, sondern als Intensität.Geliebt sein bedeutet in Bones and All nicht, dass dein Hunger verschwindet, sondern dass jemand bleibt, obwohl er deinen Hunger kennt.Um ehrlich zu sein, könnte ich mir Liebe nicht roher und ehrlicher vorstellen als in Bones and All. Diese Review und der Film ist etwas, was mir viel bedeutet, und jedes Mal, wenn ich mir den Film angucke, realisiere ich es und zudem realisiere ich, wie viel Bedeutung ein einziger Film mir schenkt und wie viel Akzeptanz und Verständnis ich bekomme als auch lerne durch ihn.
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