The Deer Hunter
GERMAN VERSION (english below)
The Deer Hunter ist meiner Meinung nach ohne Frage einer der großartigsten Filme aller Zeiten! Viele bezeichnen ihn, wenn sie über ihn reden, schlicht als Kriegsfilm, doch er ist so unfassbar viel mehr als das. Der Film ist in drei Abschnitte geteilt, die alle vollkommen unterschiedlich auf uns wirken:
1. Die Welt vor dem Kriege
Es ist der Beginn dieser Geschichte, wir lernen die Welt unserer Charaktere kennen, ihrer Beziehungen zueinander. Man geht zur Arbeit, verbringt Zeit miteinander, lebt sein Leben. Dieses ist voller Frohsinn, voller Innigkeit. Dieser erste Akt blüht auf in der Kraft und Schönheit der Freundschaft, in der Schönheit des Vertrauens und der Gemeinschaft. Das Glück des Lebens blüht nur so vor Selbstverständlichkeit. Selbst die Industrie, die eigentlich grau und kühl scheint, mit ihren rauchenden Schloten und glühenden Metallen, hat eine gewisse Romantik inne. Hoffnung ist Teil eines jeden. Angst mag jemand möglicherweise nur vor dem haben, was irgendwann einmal kommen mag. Diese Harmonie und Sicherheit dieser Welt wird untermalt von der Schönheit, Unberührtheit und Reinheit der makellosen Natur. Von den riesigen Bergen, die in weiße Wolken getaucht sind, von den zahlreichen Bäumen, wo ein jeder unterschiedlicher eigentlich nicht sein könnte und dem wilden, unbändigen Leben, dass in diesen Höhen immer noch frei sprießt. All dies ist genau so wie die Jagd; ein erlösendes und friedenbringendes Momentum, ein stets beruhigendes Abenteuer.
2. Vom Kriege
Hier sind wir nun geworfen in einen Akt des Chaos und des Leidens, in einen Akt, in dem Opfer gebracht werden müssen. Der Krieg selbst dauert nur einige Minuten. Den Großteil der Sequenz, die wir in Vietnam verbringen, währen wir in einem vietnamesischen Gefangenenlager, wo wir Misshandlung, Mord und Folter erfahren. Schon hier wird klar, dass es sind nicht unbedingt die lauten, gewaltvollen Momente sind, die so zermürbend auf uns wirken, doch mehr das Aussitzen des langen und ausdauernden Leidens. Auch wenn unsere Charaktere es schaffen, sich aus den Fängen der Vietcong zu befreien, auch wenn sie es schaffen, sich durch viel Kraft und Mühe zu ihren eigenen Linien zurück zu kämpfen, gehen sie dennoch verloren in diesem großen unübersichtlichen Chaos. Nun ist aller Lärm des Gefechts verstummt und der wahre Schmerz kommt zum Vorschein, der wirkliche Schmerz des Krieges, der sich auf den Menschen legt und leise ist, giftig und von innen heraus abtötet und mürbe macht.
3. Ein Leben mit den Erinnerungen des Krieges
Im dritten und letzten Akt ergeht es uns ganz mühsam, ganz kraftlos fühlen wir uns. Das Erlebte hat uns ermüdet und bereitet uns eine Art dauerhafte, unterschwellige Migräne. Wir haben unaussprechliche Dinge erlebt und auch schreckliche Dinge selbst vollbracht. Es ist ein Trauma, das niemand um uns herum zu verstehen scheint, wovon wir niemandem erzählen können, da es so tiefgreifend und so zermürbend ist. Auch in aller Gesellschaft kann man keine wahrhaftige Freude mehr finden, da wir auf irgend eine Art und Weise doch immer allein sind. Nach dem großen Trauma kommt man nach Hause und findet sich auf einmal in einem Leben wieder, dass man nicht wieder erkennt. Nichts scheint mehr, wie es einst war, obwohl sich doch eigentlich nichts geändert hat. Man selbst hat sich nur verändert und man kommt nie mehr zurück. So wird alles erfüllt von Bedauern und Reue. Die einzige Zuflucht können wir in irgend einer Weise in der Natur finden, in ihrer Ruhe unsere eigene ständige Unruhe besänftigen. Wir können nicht mehr ihre Reinheit so erfahren wie einst, doch bietet sie scheinbar die einzige Zuflucht vor dem, was unsere Gedanken verdunkelt, uns nachts wachhält und unsere Albträume von Nacht zu Nacht anfacht.
The Deer Hunter ist zwar irgendwo ein Kriegsfilm, doch handelt er wohl vielmehr davon, was der Krieg eigentlich mit dem Menschen macht und nicht, was der Mensch im Kriege tut. Besonders, da der zweite Akt des Films, der praktisch vom Krieg direkt handelt, der deutlich kürzeste ist. Der Film ist letztendlich eine große Sehnsucht nach dem, was einmal war. Wie verspüren während der gesamten Laufzeit eine gewisse Melancholie, die sich in das Leben zurückwünscht, das wir einmal hatten. In das Leben zurück, in dem wir noch Frohsinn empfinden konnten, Wärme und Zugehörigkeit. Wir verspüren die große Sehnsucht danach, unser Leiden abstellen zu können und wieder in ein Leben eintauchen zu können, in dem wir nicht mehr die Konsequenzen unserer Taten und die Last unseres Wissens tragen müssen. Es ist eine Sehnsucht nach einer Vergangenheit, einem Frieden, der nie wieder kommen wird. Denn die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wir sind gezeichnet, wenn auch nur im Innern, und suchen nun nach Erlösung.
Der einzig unsterbliche und unerbittliche Geist ist der, der Natur. Hier mag der einzige Ort liegen, der uns Erlösung geben kann. Er ist frei von den menschlichen Narben, seinen Einflüssen und Hinterlassenschaften. Er gibt Frieden, wo sonst keiner zu finden ist. Doch im Grunde erhält auch dieser Ort Risse. Durch unser Trauma wird auch er zum Teil seiner Unschuldigkeit und Reinheit beraubt. Trotz dessen bleibt er der letzte, an den man sich überhaupt noch Klammern könnte.
Handwerklich ist The Deer Hunter wunderbar inszeniert, mit erstaunlichen Bildern, die eine herausragende Atmosphäre erzeugen und auch einem großartigen Soundtrack. Das Hauptthema „Cavatina“ ist ein wahres Meisterstück voll Bedauern und Melancholie, aber auch der Rest, beispielsweise die „Can‘t Take My Eyes off You“ Szene ist wunderbar inszeniert und lebt durch diese Musik wirklich erst. Die Darstellungen scheinen nicht zu überbieten. Robert De Niro hat bis Mitte der 90er Jahre ohne Frage mit die größten Filme aller Zeiten gemacht, wobei dieser hier unbestreitbar dazu gehört. Er porträtiert hier einen Charakter, eine Stimmung, die mich jedes Mal fesselt und an die ich mich aus irgendeinem Grunde ungemein gebunden fühle. Christopher Walken ist wunderbar und tatsächlich ist John Cazale auch wirklich faszinierend; als jemand, der während dieses Drehs, tatsächlich dabei war, zu sterben. Als jemand, der nur in sechs Jahren in fünf Filmen mitgespielt hat, die jedoch alle für den Academy Award für „Best Picture“ nominiert waren. Als jemand, der tatsächlich kurz nach dem Dreh für diesen Film gestorben ist.
The Deer Hunter ist im Endeffekt einer der großartigsten Filme über Freundschaft, über den Effekt des Krieges und die Reinheit der Natur. Letzteres bildet zusammen mit der Jagd wichtige Eigenschaften in uns, wie die Selbstbeherrschung, Verantwortung und Respekt vor dem Leben. Der Krieg und die Thematik des Russich-Roulette, welche zuerst in der Gefangenschaft aufkommt und später noch zum Klimax führt, wird scheinbar alle Ordnung gebrochen. Der „eine Schuss“, der sonst so heilig schien wirkt nun nur noch sinnlos und entmenschlichend. Die Erfahrung des Krieges zersetzt den Menschen und verändert seine Sicht auf die Welt, in der Maß durch Willkür ersetzt wird, Gemeinschaft durch Isolation und Sinn durch Absurdität. Es ist eine Geschichte voll Tragik und Dramatik, voll Schönheit und Grauen, voller Entwicklungen, die doch letztlich im Stillstand enden. Gerade im Kontrast zwischen stiller Berglandschaft und chaotischer Kriegshölle entfaltet der Film seine tragische Wucht, seine große Ambivalenz und eben seine Studie darüber, wie sehr der Krieg, oder das Trauma im Allgemeinen, uns unsere letzte Unschuld nimmt und in einen ewigen Abgrund stößt aus dem wir niemals wieder empor steigen mögen.
ENGLISH VERSION
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The Deer Hunter* is, in my opinion, without question one of the greatest films of all time! When talking about it, many simply refer to it as a war film, but it is so much more than that. The film is divided into three parts, each of which has a completely different effect on us:
1. The world before the war
This is the beginning of the story, where we get to know the world of our characters and their relationships to each other. They go to work, spend time together, live their lives. These are lives full of joy and closeness. This first act thrives on the power and beauty of friendship, on the beautiful nature of trust and community. The happiness of life flourishes as a natural state of being. Even industry, which might seem grey and cold with its smoking chimneys and glowing metals, has a certain romanticism about itself. Hope is part of every person. The only thing anyone might fear is what might happen at some point in the future. The harmony and security of this world is underscored by the beautiful, untouched and immaculate nature. From the huge mountains bathed in white clouds, to the numerous trees, each of which could not be more different, and the wild, untamed life that still springs forth freely at these heights. All of this, like hunting, is a liberating and peaceful momentum, an eternally calming adventure.
2. About war
Here we are thrown into an act of chaos and suffering, an act in which sacrifices must be made. The war itself lasts only a few minutes. We spend most of the time in Vietnam in a Vietnamese prison camp, where we experience abuse, murder and torture. Even here, it becomes clear that it is not necessarily the loud, violent moments that have such a gruelling effect on us, but rather the endurance of long and persistent suffering. Even though our characters manage to free themselves from the grasp of the Vietcong, even though they manage to fight their way back to their own lines with a great deal of strength and effort, they are still lost in this vast, confusing chaos. Now all the noise of battle has died down and the true pain comes to the fore, the real pain of war, which weighs heavily on people and is silent, poisonous, killing and wearing them down from within.
3. A life with wartime memories
In the third and final act, we feel completely worn out and helpless. What we have experienced has exhausted us and left us with a kind of permanent, subconscious migraine. We have experienced unspeakable things and also done terrible things ourselves. It is a trauma that no one around us seems to understand, that we cannot share with anyone because it is so profound and so devastating. Even in the company of others, we can no longer find true joy, because in some way we are always alone. After the great trauma, we come home and suddenly find ourselves in a life we no longer recognise. Nothing seems to be as it once were, even though nothing has actually changed. Only we ourselves have changed, and there is no going back. Everything is filled with regret and remorse. The only refuge we can find in any way is in nature, where its peace can appease our own constant unrest. We can no longer experience its purity as we once did, but it seems to offer the only refuge from what darkens our thoughts, keeps us awake at night and fuels our nightmares from night to night.
The Deer Hunter is technically a war film, but it is more about what war actually does to people than what people actually do in war. Especially since the second act of the film, which deals directly with the war, is significantly the shortest. The film is ultimately a great nostalgia for what once was. Throughout the film, we feel a certain melancholy, a longing to return to the life we once had. Back to the life in which we could still feel joy, warmth and a sense of belonging. We feel a great desire to put an end to our suffering and immerse ourselves once again in a life where we no longer have to bear the consequences of our actions and the burden of our knowledge. It is a longing for a past, a peace that will never return. Because the past cannot be changed. We are scarred, even if only on the inside, and now seek salvation.
The only immortal and unforgiving spirit is that of nature. This may be the only place that can offer us salvation. It is free from human scars, influences and remnants. It offers peace where none can be found elsewhere. But ultimately, even this place is fractured. Our trauma robs it of some of its innocence and purity. Despite this, it remains the last thing we can cling to.
Technical speaking, The Deer Hunter is wonderfully staged, with amazing images that create an outstanding atmosphere and a great soundtrack. The main theme, "Cavatina", is a true masterpiece full of regret and melancholy, but also the rest, for example the "Can't Take My Eyes off You" scene, is wonderfully directed and truly comes to life only through this music. The performances seem unsurpassable. Robert De Niro made some of the greatest films of all time until the mid-90s, and this one is undoubtedly one of them. In this piece, he portrays a character and a state of mind that captivates me every time and to which, for some reason, I feel immensely connected. Christopher Walken is also amazing, and John Cazale is truly fascinating; as someone who was actually dying during the filming. As someone who only starred in five films in six years, but all of which were nominated for the Academy Award for Best Picture. As someone who actually died shortly after shooting this film.
The Deer Hunter is ultimately one of the greatest films about friendship, the effect of war and the purity of nature. The last of these, together with the hunt, forms important qualities in us, such as self-control, responsibility and respect for life. The war and the theme of Russian roulette, which first arises in captivity and later leads to the climax, seemingly breaks all order. The "one shot", which otherwise seemed so sacred, now only seems meaningless and inhuman. The experience of war corrupts people and changes their view of the world, in which measure is replaced by arbitrary, community by isolation and meaning by absurdity. It is a story full of tragedy and drama, full of beauty and horror, full of developments that ultimately end in stagnation. It is precisely in the contrast between the quiet mountain landscape and the chaotic hell of war that the film unfolds its tragic force, its great ambivalence and its study of how war, or trauma in general, robs us of our last innocence and plunges us into an eternal abyss from which we may never rise again.
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