Interstellar
"Interstellar" hat neben bombastischen Bildern genau zwei inhaltliche Stärken: Einmal die hochspannende Idee der unterschiedlich schnell vergehenden Zeit. Nichts ist für den Menschen so kostbar und schwer zu begreifen wie das Zerrinnen von Zeit und Christopher Nolan ist schlau genug, diese weit über das Science Fiction-Genre hinausreichende, universell bedeutende Thematik in Form einer auseinandergerissenen Familie emotional auszuloten. Die krönende Szene ist hier selbstverständlich der Moment, in dem Cooper durch Videobotschaften das Leben seiner Kinder im Zeitraffer vorbeiziehen sieht.
Der zweite spannende Aspekt ist die Suche nach dem geeigneten Planeten. Wie könnte eine neue Erde aussehen? Konnten die Wissenschaftler überleben? Allein diese Fragen erzeugen genügend Nervenkitzel und Plotmöglichkeiten für eine ganze Serie.
Aber - und hier kommen wir zu den Problemen des Films - beide Stärken werden nicht konsequent genug verfolgt respektive abgeschwächt: Die Parallelhandlung auf der Erde mag storytechnisch sinnvoll sein, nimmt den divergierenden Alterungsprozessen aber ihr Mysterium und damit auch ihre Faszination, weil wir uns an die vorangeschrittene Zeit auf der Erde ebenso gewöhnen wie an die langsamer vergehende Zeit im Raumschiff. Während für Cooper also die drängendsten Fragen lauten, wie sich seine Tochter und die Erde verändert haben, ob beide überhaupt noch gerettet werden können, ist der Zuschauer stets darüber im Klaren - das kostet Spannung!
Und anstatt die Suche nach dem geeigneten Planeten weiter auszuloten, verliert sich "Interstellar" in einigen sinnlosen Actionsequenzen, die vor allem im letzten Drittel zu viele Längen erzeugen. Das Finale ist dann grober Unfug und konterkariert die bis dahin um Wissenschaftlichkeit bemühte Ausrichtung. Der schlimmste Logikfehler von allen: Die Menschen der Zukunft geben den Menschen der Vergangenheit Anweisungen zu ihrer eigenen Rettung. Wie soll das funktionieren? Die Menschen müssen zunächst einmal in die Zukunft gelangt sein, um den Menschen der Vergangenheit Hinweise zu übermitteln, das können sie aber nicht, weil sich die Menschen der Vergangenheit nur behelfen können mit den Hinweisen der Zukunftsmenschen - ein tödlicher Kreislauf der Logikfehler.
Dennoch muss festgehalten werden: Allein aufgrund der großartigen Besetzung, den visuell berauschenden Bildern und den spannenden Ideen ist Interstellar ein zweifellos gelungener Film - einige Makel verhindern aber das häufig bemühte Substantiv "Meisterwerk".