The Beatles: Get Back
Hier haben wir also Peter Jacksons Beatles Dokumentarfilm Get Back, quasi die Reduxfassung des Let It Be Films von 1970, der vielleicht nicht unbedingt ein vollkommen neues, aber mit Sicherheit ein größeres, facettenreicheres Bild der Umstände und Ereignisse rund um die Produktion des letzten Studioalbums der Beatles zeichnet.
Was mir wirklich gefallen hat, womit aber sicherlich einige Probleme haben werden, ist, dass dieser Film keine Handlung erzählen möchte. Der Regisseur des 1970er Films sagt mehrmals in dieser Doku, das er noch keine richtige Story in diesem ganzen Chaos sieht. Get Back ist schlau genug, die Filmaufnahmen relativ unkommentiert und direkt darzulegen, gleichzeitig aber auch hin und wieder, wenn es nötig ist, dem ganzen Struktur und Kontext zu geben. Es fühlt sich weniger wie eine klassische Dokumentation an, in der man Fakten und Informationen vermittelt bekommt, sondern mehr wie ein Dokument der Zeit seiner Entstehung. Gerade aus dem Grund, dass die Filmcrew den Aufnahmeprozess von Anfang an mitverfolgt hat und es kein festes Ziel gab, auf das man zusteuern konnte, ist es weniger ein Film über das Album Let It be als ein Teil des großen Ganzen.
Der vielleicht coolste Moment des ersten Teils ist, wenn Paul McCartney, getrieben von der Suche nach neuen Songs, irgendwelche Melodien an der Gitarre improvisiert, sich daraus dann langsam aber sicher ein roter Faden bildet, er dazu einen Text erfindet und dann langsam George Harrison mit seiner Gitarre einsteigt und Ringo, der daneben sitzt, anfängt im Takt zu klatschen. Je länger sie zu dritt spielen, desto klarer und definierter wird das Lied, bis man am Ende die Urfassung von etwas hören kann, das später einmal Get Back sein wird. Hier kann man live und in Farbe sehen, wie ein Rohdiamant erschaffen wird, der im Laufe des Films noch weiter geschliffen wird.
Mein einziges Problem mit Get Back und ich meine das mehr als ein allgemeines Problem als etwas, das mir selbst Probleme bereitet hat, ist, dass der Film kaum den größeren Kontext der Karriere der Beatles einbezieht. Es gibt eine nette kleine erklärende Montage am Anfang, aber die zehn Minuten reichen bei weitem nicht um den ganzen Hintergrund zu erklären. Ich denke dass man als Casual Viewer eher Schwierigkeiten damit haben wird. Das Gleiche gilt für die dutzenden Rehearsels. Ein großer Beatles Fan wird sicher keine Probleme damit haben, zum Tausendsten Mal Get Back zu hören, aber vielen anderen wird es verständlicherweise auf die Nerven gehen. Andererseits werden sich auch kaum völlig Unwissende eine 8-stündige Doku über die Beatles reinziehen.
Ich finde es fantastisch, wie hell und optimistisch der gesamte Film wirkt. Sicher, die vier Bandmitglieder haben einen schwierigen und konfliktreichen Start, aber im Laufe der Zeit reißen sie sich zusammen, haben eine tolle Arbeitsatmosphäre und scheinen wirklich Spaß an der Sache zu haben. Man fragt sich unweigerlich, wie viel besser die Arbeit an Alben wie Revolver oder Sgt. Pepper war.
Aber es ist nicht so als ob Peter Jackson hier einen 180° Wandel macht. Es ist nicht einfach nur ein Film der sagt, anstatt dass alles schlecht war ist auf einmal alles gut. Get Back ist das reichhaltigste und gründlichste Zeugnis dessen, was die Band durchgemacht hat, wie sie miteinander interagieren und was ihre Ängste und Betrebungen zu dieser Zeit waren. Es gibt so viele faszinierende kleine Informationen für Beatles Fans, sei es aus Interesse für die Lieder, die sie produziert haben, als auch, wer diese Leute wirklich waren. Niemals waren Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr so menschlich und real und ihre Konflikte so komplex. Das, was man in dieser Doku sieht, ist weit von dem sauberen Image entfernt, das Brian Epstein einmal für sie erfunden hat.