Bheed
Im Fokus von „Bheed“ steht der Umgang der indischen Regierung mit den Millionen von Gastarbeitern während des Corona-Lockdowns, die wie Vieh auf der Straße schlafen mussten und sämtlicher Rechte beraubt wurden, immer kurz vor der Eskalation wegen Verzweiflung und Hunger.
Die starken s/w-Bilder und das unerbittliche Pacing können das menschliche Drama gut transportieren, während der Kommentar darauf, wie egal das Leben von Wanderarbeitern ist, obwohl sie unverzichtbar für moderne Gesellschaften sind, entsprechend nahe geht. Wie fast immer im indischen Arthouse existiert auch keinerlei direkte Einordnung - die Hauptfigur bleibt über weite Strecken eher ein überforderter Beobachter der Situation und die komplizierte Gemengelage aus Tradition, Religion und Herkunft wird nüchtern geschildert und ist dadurch in ihrer Beiläufigkeit schwierig zu ertragen.
Aber immerhin gelingt dadurch politisches Kino, das sich seiner eigenen Sperrigkeit bewusst ist und mir hat in erster Linie gefallen, wie die rasante Verbreitung von Fake-News via WhatsApp und die daraus resultierende Panikmache thematisiert wurde und deren politische Instrumentalisierung: Corona wurde in den Anfangstagen als von ausschließlich durch Muslime übertragene Krankheit auf Social Media dargestellt, um die ausbrechende Pandemie als Hetze gegen die muslimische Minderheit im Land zu missbrauchen.
Auch spannend zu beobachten, wie wütend man als Zuschauer wird, wenn niemand eine Maske trägt (woher sollten sie auch in der Kürze der Zeit und unter den humanitären Bedingungen stammen?), weil man historische Ereignisse aus jüngster Zeit mit dem eigenen Wissen aus dem Jetzt betrachtet und alles noch entsprechend frisch ist. Und wie bei vielen an Fakten orientierten Filmen entfaltet sich das wahre Grauen dann in den Texttafeln am Ende des Films, wenn die erschütternden Statistiken hinter den gezeigten Einzelschicksalen deutlich werden.