WandaVision
Diese Serie beginnt verhältnismäßig vielversprechend mit den Sitcom Episoden, die zwar nicht besonders unterhaltsam sind, aber doch einige Fragen aufwerfen.
Kann sich Wandavision am Ende tatsächlich vom üblichen Marvel-Einheitsbrei absetzen?
Es wird schnell klar, dass diese Frage verneint werden muss.
Wanda befindet sich hier in einer perfekten Traumwelt, wie auch der Marvelfan in Filme oder Serien eintaucht, allerdings ja nicht um etwas neues dargeboten zu bekommen, Menschen sehen sich Marvelfilme an um immer wieder das gleiche zu sehen, um in Nostalgie zu schwelgen.
Marvelfilme sind nicht deswegen so erfolgreich weil das Kinopublikum nicht intelligent genug wäre oder geringe Qualitätsansprüche an das Kino stellt, nein es ist das wohlige Gefühl mit gewissen Erwartungen den Saal zu betreten und der Gewissheit diese auch stets erfüllt zu bekommen.
Und ich betone es nochmal, es geht mir nicht um eine niedrige sondern um eine sehr spezifische Erwartungshaltung.
Ich möchte hiermit keine Fans beleidigen.
Aber weiter im Text.
Wanda, und hier muss ich jetzt auch etwas spoilern, ist nicht einfach wie etwa die Menschen in der Matrix gefangen, sie hat diese „Simulation“ selbst erschaffen und kontrolliert sie, und das ist beim Fan nicht anders, der Fan begibt sich ebenfalls freiwillig unter so eine Kuppel, und wie Wanda vergisst er dabei auch gerne mal alles um sich herum.
Wenn er im Kino sitzt, gibt es nur noch diese andere Welt, die mit den Superhelden.
Und in gewisser Weise kontrolliert auch der Marvelfan diese Filmwelt, Marvel weiß ja ganz genau was das Publikum sehen möchte und setzt die Filme entsprechend um.
Und deshalb können wir hier auch gar nicht in der Sitcom-Welt bleiben, Wandavision kann keine gute Serie sein die sich vom Einheitsbrei abhebt, denn was wäre Marvel ohne die obligatorische CGI Schlacht am Ende.
Soviel zu meinem damaligen Eindruck von Wandavision, und dem „alten“ MCU, doch jetzt wollen wir uns der Frage widmen, was sich denn seitdem verändert hat.
Wieso fühlt sich die Post-Endgame-Ära so anders an?
Zuerst das offensichtliche, es ist verdammt unübersichtlich geworden.
Zu den 3 - 4 Filmen pro Jahr kommen mittlerweile auch noch unzählige Serien, die zwar Ereignisse aus früheren Filmen aufgreifen aber doch nie wirklich eine Auswirkung auf das Gesamtkonstrukt des MCU haben dürfen.
Diese Reihe ist jetzt ja ohnehin schon nicht für allzu große Konsequenzen bekannt, aber Serien wie The Falcon and the Winter Soldier oder Secret Invasion dürfen nicht einmal mehr kleine Auswirkungen auf die Timeline haben, sie sind als optionale Lückenfüller konzipiert, die weder besonders interessante Geschichten erzählen, noch die Figuren weiterentwickeln. Sam ist am Ende seiner Serie der gleiche wie am Anfang.
Früher konnte man beim MCU daraus einen Vorteil ziehen, alles vorherige gesehen zu haben, und doch war es zumindest meistens nur rein optional.
Es waren eigenständige Filme die für Wissende, also damals nicht mich, zusätzlich auch eine übergeordnete Handlung erzählen.
Mittlerweile bekommt man beides nicht mehr wirklich, eigenständige Werke sind nur noch löbliche Ausnahmen wie Shang-Chi oder Hawkeye, und eine durchdachte, übergeordnete Story sucht man auch vergebens, alles verläuft ein bisschen ziellos ins leere.
C'mon, es gibt jetzt die Eternals, alleine deren Existenz müsste eigentlich alles verändern.
Und all die obligatorischen Abspannszenen, die irgendwas anteasern das ja vielleicht irgendwann noch kommt, vielleicht aber auch nicht.
Und das spannende: Die Fans machen das auch nicht mehr alles mit, es entstehen zunehmend Risse in der MCU Kuppel, denn wie ich schon feststellte, Marvelfans ganz pauschal als anspruchslose Kinogänger zu bezeichnen ist falsch und herablassend, so sehr ich die Filme auch immer wieder kritisiere.
Projekte wie She-Hulk, Ant Man 3 oder The Eternals zeigen, dass Disney die eigenen Fans entweder nicht mehr versteht, oder nicht verstehen will.
Man könnte fast meinen Kevin Feige wurde tatsächlich durch die künstliche Intelligenz K.E.V.I.N. aus der Serie She-Hulk ersetzt.
Man mag mir jetzt trotz meiner Abneigung einen gewissen Hang zu Nostalgie vorwerfen, wenn ich sage Marvelfilme waren vor Endgame besser, aber ich denke auch dass es keine ganz unbegründete Behauptung ist.
#disney+