Chernobyl
Anm. : Ich muss zu Beginn meinen persönlichen Elefanten im Raum aussprechen. Stellan Skarsgård sieht in seiner Maske aus wie Manfred Lehmann.
Ich war 8,5 Jahre alt, als die Katastrophe von Tschernobyl passierte und kann mich vage daran erinnern, dass ich höllische Angst hatte, vor der ominösen gefährlichen Wolke, die über Deutschland schwebte. Ich hatte echt Angst rauszugehen, bis im Radio gesagt wurde, der Regen hätte die Wolke quasi 'ausgewaschen'. Als Kind glaubte man sowas dann und ich ging wieder raus. Natürlich ist mir heute klar, so völlig der Wahrheit entspricht das nicht, war nur eine geschönte Aussage des Staates, um den nationalen Status Quo herbeizureden.
Was nun ganz gut zur Serie passt, die drei Folgen lang überragend ist. Hier sehen wir, wie karriegeile Beamte die Explosion verschleiern, schönreden etc. Und heute wissend was wirklich passiert ist, lässt sich einen im Sessel winden, wenn Feuerwehrleute als Erste völlig ohne Schutz reingehen (und später im Krankenhaus quasi 'schmelzen'), die Menschen auf der Brücke in der Asche tanzen, die sie umbringen wird etc. Das ist alles derart erschütternd inszeniert, dass ich der Aussage, dies sei eine der besten Serien aller Zeiten durchaus zugestimmt hätte. Die Probleme sind in Episode 4 und vor allem 5.
Episode 4 bringt eine Nebenepisode über Soldaten, welche die Tiere im Sperrgebiet beseitigen sollen. Dieser Teil steht nicht im wirklichen Zusammenhang mit der Haupthandlung um die Verantwortlichen, erscheint mir eher wie eine Streckhandlung und um das zu kaschieren wird halt die Erschießung von Welpen thematisiert.
Episode 5 ist dann allerdings die große Enttäuschung. Die große Verhandlung folgt in ihrer banalen Dramaturgie ("...letztes offenbarendes Gespräch zwischen zwei Leuten, die sich mal nicht leiden konnten...wird der Wissenschaftler gegen den Widerstand des Staates die Wahrheit sagen...") jedem x-beliebigen Gerichtsdrama und ist so verdammt amerikanisch, was es vorher halt nicht war.
Nahezu schäbig wirkt allerdings das genüssliche mit-dem-Finger-zeigen auf die Sowjetunion (die ich jetzt um Gottes Willen nicht lobpreisen will, aber Kontext), was sich hier der Grenze zur Propaganda gefährlich annähert. Und das entwertet für mich, wenn man dann auch noch tränendrüsig mittels Gedenktafel am Ende an die Opfer erinnert, was im Kontext des vorher Gesehenen dann schon exploitativ wirkt, das jedenfalls entwertet für mich die Gesamtserie. Wirkt doch all das, was man sah, nur noch als Hinweg zum letztendlichen Pushen der eigenen überheblich Agenda von westlichen Staaten, die in Sachen Vertuschung, Lügen (Irakkrieg anyone? ) und vermurksten Krisenmanagement (bitte einfach mal das Coronamanagement betrachten, dagegen herrscht in CHERNOBYL ab einer gewissen Stelle schon Kompetenz, zu einem sehr hohen Preis) die eigene Überlegenheit nicht gar so hoch hängen sollten.
Daher mein Rat, bis Folge 4 schauen, was dann geschah am besten selbst recherchieren. Genügt dann auch, um die Sowjetunion nicht eben glorreich dastehen zu lassen, aber es fehlt dieser üble Beigeschmack, den CHERNOBYL am Ende für mich hat.