Seconds
Das Faszinierende an wirklich guten Filmen ist, dass sie zeitlos sein können. Der Kontext, der ihnen ihren Subtext gab, mag mit der Zeit verschwunden sein, aber sie sprechen zu uns auch heute und geben Einsicht in tieferliegende unangenehme Dinge unserer Gegenwart, passen sich an.
SECONDS ist so ein Film. Er packt ihn in verstörende Bilder, diesen heute herrschenden Zwang zur permanenten Selbstoptimierung. Welcher doch eigentlich nur denen dient, die diesen auferlegen. Und jeglicher 'Erfolg', der dank Coaching schon in die richtige Richtung gelenkt werden wird, dient nur zum Beweis der Richtigkeit (nicht dem behaupteten Individualismus des Subjekts) des 'großen Ganzen' und Versagen kann nicht toleriert aber zumindest den Gesetzen des Marktes (siehe auch die unzähligen Bücher zum Thema Selbstverbesserung) entsprechend verwertet werden.
SECONDS zeigt, dass selbst dann, wenn man sich letztlich dem Diktat des herrschenden Erfolgsstandards komplett unterwirft, das Innere bleibt leer. Und darum erhält sich das System weiter. Bis zum bitteren Ende. Ich werde lange an diesen Film denken.
PS: Ich glaube Stephen King hatte diesen Film im Kopf, als er seine Kurzgeschichte QUITTERS INC. schrieb.