Ich werd den Nazis nicht die Freude machen, dass ich mich schäm, dass ich noch leb.Der Film hat mich sehr leer zurückgelassen. Wie realistisch, roh und nah am Leben er wirkt. Vor allem Salomon „Sally“ Sorowitsch (Karl Markovics) ist ein Charakter, der sich mir eingebrannt hat. Ich schätze ihn irgendwie sehr. Am Anfang ist er einfach ein smarter Typ, der sein Talent fürs Fälschen nutzt, um zu überleben. Aber im KZ wird alles komplizierter - dort merkt man, dass er nicht zu leben versucht, er überlebt nur noch. Sein Leben steht an erster Stelle, auch wenn er dafür seine eigentlichen Moralvorstellungen und Empathie unterdrücken muss.
August Diehl als Adolf Burger war meiner Meinung nach der beste und wichtigste Charakter, das driving force des Films. Seine Wut, Frustration und unaufhaltsame Moral haben mich durch den Film mit ihm sauer gemacht. Sein Prinzipienstreben ist echt heftig. Er will sabotieren, obwohl er weiß, dass das das Leben aller riskieren könnte. Er stellt sein Leben nicht über das der größeren Sache. Er sieht seinen einzig verbleibenden Sinn darin zu verhindern, dass die Nazis noch weiter kommen. Auch wenn er in einer so mittellosen Situation ist, er hängt an seiner Überzeugung und hat so einen Stolz in seinen Standpunkten. Die Spannungen zwischen ihm und Sally tut weh, man wird ständig zwischen Überleben und Moral hin- und hergerissen. Und natürlich sind die Arten mit ihrer Situation umzugehen von beiden nachvollziehbar, so unterschiedlich sie auch sind.
Die Szene, die bei mir am meisten hängen geblieben ist, ist dieses eine kurze Tischtennis-Spiel. Zuerst wirkt es fast schon wie ein kurzer Moment von Normalität im Lager, fast schon ein kleiner wholesome Moment inmitten der Brutalität. Dann fallen plötzlich Schüsse durch den Zaun, und Sally und Adolf Burger fangen wieder an Stress zu haben.
Burger spielt weiter Tischtennis, tut ganz unbeirrt. Denn Sally achte doch nur auf sich. Also solle er sich von den Schüssen ja nicht irritieren lassen. Sie gehen aufeinmal auf einander los und Burger zieht Sallys Kopf hoch und sagt ihm er solle hingucken. (Auf die Schusslöcher.)
Wie satt Burger Sallys Art hat und von ihm sehen will, dass er sich eben doch um die anderen schert. Die eindrucksvollste Szene im ganzen Film.
Und die Szene zeigt auch wie nah der Tod ist und wie absurd das Leben im Lager war – man spielt und lebt, während alles um einen herum brutal ist und der Tod jederzeit nah.
Generell kämpfen die Häftlinge eher mit den eigenen Gedanken oder einander als jetzt direkt gegen die Nazi Offiziere. Was irgendwie eine spannende Perspektive ist. Es geht um Stolz und Empathie, sich selbst im KZ nicht die eigene Moral verbieten zu lassen.
Was den Film wirklich stark macht, ist, dass man die Müdigkeit, die Wut, die Gleichgültigkeit der Charaktere richtig spürt. Es gibt keine übertriebenen Heldenmomente, sondern einfach Menschen, die versuchen, unter unmenschlichen Bedingungen zu bestehen. Und wie Burger, dabei vielleicht noch etwas Größeres zu bewirken. Und gerade diese Mischung aus Alltag, Angst, Gewalt und kleinen Momenten von Menschlichkeit macht Die Fälscher zu einem Film, der noch lange nachwirkt.
Achso und August Diehl sieht viel zu gut aus.